Aufbruch zum Kern der Kometen

25. Juni 2002, 19:36
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Neue Nasa-Mission fliegt auf nur 100 Kilometer heran - "Contour" geht mit "Encke" und "Schwassmann-Wachmann 3" auf Tuchfühlung

Cape Canaveral/Ithaca - Der Countdown läuft zur bisher ehrgeizigsten Nasa-Mission zu den Kometen: Am kommenden Montag soll die Raumkapsel "Contour" ins All geschossen werden und sich Ende 2003 Encke und Mitte 2006 Schwassmann-Wachmann 3 nähern.

Die beiden Kometen, der erste seit dem 18. Jahrhundert beobachtet, der zweite im Jahr 1995 in mehrere Teile zerfallen, gelten als besonders vielfältig in ihrer Zusammensetzung aus Gasen, Eis und Felsbrocken sowie als leicht erreichbar - 50 Millionen Kilometer von hier.

"Kometen", sagt Joseph Veverka, Contour-Forschungsleiter an der Cornell University in Ithaca, New York, "sind die kleinsten Körper im Sonnensystem und zugleich ihre größten Geheimnisse." "Wir haben mehr Ideen über Kometen als Fakten", begründet auch Donald Yeomans vom Forscherteam das Interesse an den 4,5 Milliarden Jahre alten Zeugen der Planetenentstehung. Besondere Aufschlüsse über diese Zeit erwartet man von Untersuchungen der Komentenkerne.

Contour, eine Kapsel in achteckiger Tonnenform mit vier Messinstrumenten an Bord, soll von den genannten Kometen neben chemischen Fingerabdrücken vor allem zehnmal schärfere Bilder funken als jene der "Deep Space"-Kamera im Vorjahr. Kein Wunder: Die neue 159-Millionen-Dollar-Mission wagt sich auf nur 100 Kilometer an die Kerne heran.

Die Himmelskörper könnten zum Wasser in den Ozeanen beigetragen haben, zu Gasen in der Erdatmosphäre und zur Entstehung von Leben. Ihre Zahl in unserem Sonnensystem wird auf bis zu 1000 Milliarden geschätzt. (rosch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 6. 2002)

  • So stellt sich ein Nasa-Künstler das Rendezvous im All vor
    foto: nasa/contour 2002

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