Warum keine "Regentage"?

26. Juni 2002, 18:53
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26. Juni 2002 - Preise für die "dümmsten Titel, seit es dumme Filmtitel gibt"

Zwei Preise wären heute zu vergeben. Ersterer ergeht - für den "dümmsten Titel, seit es dumme Filmtitel gibt" - an "Zwei Affären und noch mehr Kinder". Was ist noch mehr als zwei? Drei oder vier oder fünf? Hochspannung ist also heute im Hauptabendprogramm von ORF 2 angesagt, und der Titel ist dann doppelt und dreifach peinlich, weil mit ihm die - Preis No 2! - "beste Eigenproduktion des ORF seit geraumer Zeit" bestraft wird.

Eigentlich sollte Wolfram Paulus Film ja den Titel "Regentage" tragen, unter dem er auch bei der letzten Diagonale bejubelt wurde. Aber "Regentage" ist scheinbar nicht pfiffig genug für eine Familienkomödie, die es sich ansonsten wunderbar verbietet, auch nur in Andeutungen pfiffig sein zu wollen. Die Dialoge sind - angeblich in enger Kooperation zwischen Paulus und den Hauptdarstellern Sissy Höfferer, Udo Wachtveitl und Marion Mitterhammer - auf unpeinliche Weise pointiert. Boulvardeske Überraschungsmomente und Verwirrungen ergeben sich eher nebenher in einer Inszenierung, die zuallererst Lebensräume und auch zwischenmenschliche Beziehungen präzise beobachtet.

Denn wie anders soll man Geschichten erzählen, die praktisch nur das Leben geschrieben haben kann, weil sie scheinbar alle Klischees strapazieren? Eine Frau (Höfferer) hat eine Beziehung mit ihrem Yogalehrer; ihr Mann (Wachtveitl) betrügt sie seinerseits selbst mit einer anderen (Mitterhammer), und das Blöde ist, dass er sich in diese Frau auch noch tatsächlich verliebt hat. Gleichzeitig will er sich mit seiner kleinen Büromöbelfirma gegen größere Konkurrenten durchsetzen, was wiederum Intrigen und Verwicklungen im Karrierebereich mit sich bringt. Kurz: Lauter Zeug, mit dem uns auch eine x-beliebige RTL-Serie nerven könnte.

Aber: Das Kranke an RTL-Serien ist, dass sie sich wie RTL-Serien verhalten. Und dies ist ein Film von Wolfram Paulus, der einst schon mit Heidenlöcher und Minisranten als einer der wenigen heimischen Regisseure mit Gespür für Wirklichkeiten reüssierte. Sein letzter Kinofilm Du bringst mich noch um scheiterte noch am Thema Midlifecrisis. Dies-mal gelingt das Unterfangen aber: nicht ganz junge Menschen mit nicht besonders attraktiven Lebensbedingungen und Lebensentwürfen tragikomisch zu porträtieren, ohne sie zum Gespött zu machen.

Ein schlechter Witz ist nur der Titel. Wir fordern: Rückkehr zu den Regentagen! (cp/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 26.6.2002)

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