25 Gigabyte Kinderpornos

25. Juni 2002, 19:27
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Österreichweit größte Sammlung kinderpornografischen Materials sichergestellt - Student festgenommen

Linz/Wien - Unangemeldeten Besuch erhielt am Montag ein 26-jähriger Student in Gallneukirchen (Urfahr-Umgebung). Beamte der Kriminalabteilung Oberösterreich erschienen in seiner Wohngemeinschaft und beschlagnahmten Computer und Datenträger des jungen Mannes. Der Erfolg: Insgesamt rund 25 Gigabyte kinderpornografischer Daten wurden sichergestellt. Das entspricht etwa einer halben Million Bilder oder 25 Stunden Video, beschreibt Alois Lißl von der Sicherheitsdirektion die Dimension des Falls.

"Dieser Treffer ist der bisher größte Fund bei einem einzelnen User", erklärt Lißl. Auf die Spur kam die Exekutive dem geständigen Mann im Zuge internationaler Ermittlungen. Bei einem Verdächtigen in Spanien wurden im Computer Hinweise auf den Österreicher gefunden, die spanischen Behörden informierten darauf hin ihre Kollegen in Wien. "Die internationale Kooperation sowohl über Inter- als auch Europol funktioniert auf diesem Gebiet sehr gut", lobt Lißl.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand hat der 26-Jährige seine perversen Neigungen nicht kommerziell ausgenutzt, er soll seine Sammlung seit 1998 hauptsächlich durch Tausch im Internet aufgebaut haben. Unbemerkt von seiner Umgebung: Weder die Familie noch seine Mitbewohner in der Wohngemeinschaft haben davon gewusst.

Glück für die Ermittler: Der Mann hat sich keine große Mühe gegeben, seine Spuren im Datennetz zu verwischen. Es gibt aber auch technisch versiertere Benutzer, berichtet Markus Bauer von der Meldestelle für Kinderpornografie im Innenministerium. "Es gibt immer wieder Fälle, wo bestimmte Mittel verwendet werden, die dann wenig bis gar keine Chance lassen, den Tätern auf die Spur zu kommen", schildert der Beamte.

Bauer war auch an der bisher umfangreichsten Ermittlung gegen die Kinderporno- szene beteiligt, der "Operation Landslide", die im April zu knapp 330 Hausdurchsuchungen führte. Rund 100.000 Beweismittel wurden bei 280 Verdächtigen sichergestellt. Unter den Verdächtigen befinden sich auch Prominente, bisher wurde nur die Anzeige gegen einen Journalisten der Kronen Zeitung zurückgelegt.

Die Auswertung der Spuren läuft noch, am längsten wird sie wohl in Wien dauern, wo ein Drittel der Fälle anfiel. Unterstützt werden die Beamten dabei von internationalen Datenbanken, in denen Kinderpornos gespeichert sind. "Das gibt die Möglichkeit, automatisch zu klären, ob einschlägiges, schon bekanntes, Material vorhanden ist. Trotzdem müssen die Beamten auch händisch prüfen, um neue Bilder zu finden", schildert Bauer die ungustiöse Aufgabe. (moe/Der STANDARD, Printausgabe, 26.6.2002)

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