Babcock Borsig : Kapitalbedarf bei rund 500 Millionen Euro

26. Juni 2002, 13:31
posten

Keine Auswirkungen der Krise beim Mutterkonzern auf Österreich sichtbar

Wien/Graz/Oberhausen - Der gesamte Kapitalbedarf der von der Insolvenz bedrohten Babcock Borsig AG, Oberhausen, soll sich auf rund 500 Mill. Euro belaufen, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung". Bisher hatte der Konzern die kurzfristig benötigten Mittel mit 200 Mill. Euro beziffert, um die bereits auf 3. Juli verschobene Zahlung der Juni-Gehälter (60 Mill. Euro) und kurzfristige Rechnungen (140 Mill. Euro) zahlen zu können. Gestern Dienstag hatte in Oberhausen der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Babcock Borsig von einem radikalen Mitarbeiterabbau von 15.000 auf 8.000 Stellen gesprochen.

Ob sich das auf Österreich auswirken werde, wo zur Babcock-Tochter Babcock Borsig Power zwei Standorte der AE Energietechnik (früher Austrian Energy) in Wien-Floridsdorf und in Graz gehören, konnte man hierzulande noch nicht sagen. "Wir haben keine Informationen, alles ist offen", hieß es aus der Kommunikationsabteilung in Graz am Mittwoch. "Vielleicht wissen wir gegen Ende der Woche mehr".

Rund 640 Mitarbeiter in Österreich

AE Energietechnik beschäftigt in Österreich rund 640 Mitarbeiter, weitere knapp 250 beim kroatischen Kesselbauer Dura Dakovic in Slavonski Brod, der noch zu Zeiten der Zugehörigkeit des VA Tech-Konzerns erworben worden war. In Wien arbeiten davon rund 100 Beschäftigte, in Graz bei AE Energietechnik und zwei Töchtern - AE Industrie Services und NEM Energietechnik - zusammen rund 540 Mitarbeiter. Bereits vor über drei Jahren wurde ein Engineering-Büro der Austrian Energy in Linz geschlossen. Wien ist auf das Engineering von Biomassekesseln sowie Dampfturbinen spezialisiert, Graz auf Wirbelschichtkessel und Rauchgasreinigung. Gefertigt wird nur in Kroatien.

Die österreichischen Töchter von Babcock Borsig Power hätten keine Auslastungsprobleme. Ende vergangener Woche meldete AE Energietechnik Graz zwei Großaufträge für High-Tech-Kessel aus Polen und Norwegen, mit einem Auftragswert von zusammen knapp 50 Mill. Euro. Am 2. Juli erfolge der Spatenstich für eine Rauchgasreinigung in Arnoldstein, die von AE um 8,5 Mill. Euro errichtet werde.

"Wir bekommen unsere Löhne und Gehälter"

"Wir bekommen unsere Löhne und Gehälter", verwies man bei AE in Graz darauf, dass die Probleme mit den Lohnzahlungen rein deutscher Natur seien.

Aus Deutschland wurden mittlerweile erste Details eines Sanierungskonzepts für Babcock Borsig bekannt, das die Unternehmensberatung Roland Berger und der Wirtschaftsprüfer HDO erarbeitet hätten, berichtet die Agentur vwd. Neben dem Großaktionär Preussag soll sich insbesondere die WestLB daran beteiligen, die 8,5 Prozent hält. Die Banken machen offenbar die Freigabe von Krediten zur kurzfristigen Liquiditätsdeckung von 200 Mill. Euro von einer Kapitalerhöhung abhängig, heißt es. Einen ersten Schritt zu einer Sanierung beschlossen gestern die Arbeitnehmer in Deutschland, die bis Ende 2003 einen Kostenbeitrag von 50 Mill. Euro angeboten haben.

VA Tech AG hat zehn Prozent Beteiligung

An Babcock Borsig Power ist seit 1999 die VA Tech AG, Linz mit 10 Prozent beteiligt. Die Beteiligung wurde im Gegenzug mit der Abgabe der damals schwer defizitären Austrian Energy-Gruppe an Babcock Borsig erworben.

Falls Babcock Borsig bis zur erstreckten Frist am 3. Juli die Löhne und Gehälter nicht zahlen kann, droht nach Agenturberichten der Gang zum Konkursrichter. Eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für den angeschlagenen Konzern wurde bisher vom Wirtschaftsminister (SPD) in Düsseldorf abgelehnt.(APA)

Share if you care.