Vivendi-Chef Messier bleibt trotz Kritik im Amt

26. Juni 2002, 13:04
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Vier Milliarden Euro Schulden sollen bis Jahresende wegfallen - Künftig zwei Mal monatlich Telefonkonferenzen

Paris - Bei Vivendi Universal bleibt der umstrittene Vorstandschef Jean-Marie Messier trotz scharfer Kritik an seiner Strategie im Amt. Entgegen Spekulationen wurde Messier vom Vivendi-Vorstand am Dienstagabend in Paris nicht an der Spitze des französisch-amerikanischen Medienkonzerns abgelöst. Der 45-jährige Messier ist seit Juni 1996 Konzernchef. Er hatte den früheren nationalen Wasserversorger Generale de Eaux Ende 2000 mit dem französischen Bezahl-Sender Canal Plus und der US-kanadischen Gruppe Seagram zu einem Weltkonzern verschmolzen und dabei Milliardenschulden aufgehäuft.

Vivendi gab nach dem Treffen des erweiterten Vorstandes bekannt, dass diese Schulden noch in diesem Jahr um rund vier Mrd. auf 15 Mrd. Euro abgebaut werden sollen. Der Mediengigant habe 3,3 Mrd. Euro nicht abgerufene Kreditlinien in der Hinterhand und 912 Mill. bar in der Kasse, betonte Vivendi offenbar mit Blick auf anhaltende Berichte über eine Liquiditätskrise beim zweitgrößten Medienunternehmen der Welt. Vivendi hielt an den Geschäftszielen für das laufende Jahr fest.

Negativen Gerüchten entgegentreten

Vivendi teilte am Dienstagabend in Paris weiter mit, künftig sollten zwei Mal monatlich Telefonkonferenzen stattfinden, um alle Fragen zu finanziellen und operativen Angelegenheiten zu beantworten.

Damit wolle das Unternehmen negativen Gerüchten entgegentreten, hieß es in der Mitteilung weiter. Der Aktienkurs des Unternehmens hatte zuletzt deutlich an Wert eingebüßt. An den Märkten war über die Liquiditätslage von Vivendi spekuliert worden.

Für den französischen Milliardär Bernard Arnault rückte unterdessen der Vizechef der Pariser Großbank BNP Paribas, Dominique Hoenn, in den erweiterten Vivendi-Vorstand nach. Arnault, der Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH, hatte seinen Sitz in dem Medienkonzern nach Informationen der Tageszeitung "Le Parisien" aufgegeben, um nicht in eine Bilanzaffäre vom Schlage der Enron-Pleite in den USA hineingezogen zu werden.(APA/Reuters)

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