Kodak: Digitale Produkte boomen

25. Juni 2002, 19:46
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Europachef Cohade sieht Übergang zum "hybridem Unternehmen"

Wien - Als digitale Kameras vor zwei, drei Jahren die Qualität ihrer auf Film und Chemie basierender Ahnen erreichten, war kein Mangel an Prophezeiungen, dass damit das Ende der großen Filmfirmen, allen voran Kodak, eingeläutet würde. Aber Kodak ist weiterhin, trotz Ergebnis-und Aktienschwächen, unbestrittener weltweiter Marktführer des Massenmarkts. Das einzige Opfer der Digitalisierung der Fotografie war bisher ein prominenter Nebendarsteller, Instant-Film-Erfinder Polaroid, die vor einigen Monaten insolvent wurde.

Und Kodak sieht sich für die digitale Konkurrenz mit Firmen wie Sony oder HP auch bestens gerüstet, sagt der europäische Kodak-Chef Pierre Cohade bei einem Journalistengespräch in Wien. Denn schon jetzt mache das Unternehmen 30 Prozent seines Umsatzes mit digitalen Produkten, von der Ausarbeitung bis zur Digitalkamera, und "wir sind dabei profitabel".

"Wir stehen vor der Transformation vom analogen zum hybriden Unternehmen", beschreibt Cohade den Übergang von der alten zur neuen Technologie. Irgendwann werde alle Fotografie auf digitaler Technologie beruhen, mit Ausnahme von Kunstfotografie und einigen Spezialanwendungen, prognostiziert der Franzose, der seit Jahresbeginn Europachef von Kodak ist. "Meine Enkel werden nur noch digital fotografieren."

Digitales Labor

Einen weiteren Schritt in diese digitale Zukunft setzte Kodak am Dienstag mit der Inbetriebnahme einer komplett digitalen Ausarbeitungsstraße für Film, dem Kodak Photo Perfect Service in Wien. Österreich ist dabei Testmarkt für ganz Europa.

Dabei werden Filme nach der Entwicklung gescannt und die digitalen Bilder von einem Computer optimiert. Schlagschatten werden aufgehellt, Gegenlichtaufnahmen ausgeglichen, dunkle Bildteile nachbelichtet, später auch die roten Augen bei Blitzlichtaufnahmen korrigiert, ehe das Bild am Ende auf Fotopapier belichtet wird.

Das Kodak Photo Perfect Service wird damit zur perfekten Schnittstelle zwischen Film und Digitaltechnik: Auf der einen Seite kommt Film hinein, auf der anderen Seite eine digitale, optimierte Datei (die als Picture-CD oder per Internet an den Kunden zurückgegeben werden kann) so wie ein optimiertes Papierbild heraus. Auch digitale Fotos aus digitalen Kameras können damit in Papierbilder (und Geld) verwandelt werden.

"Wir erledigen den Rest"

Denn letztlich wird das Massengeschäft für Kodak immer in der Ausarbeitung liegen. Digitale Fotografie sei eine "großartige Gelegenheit, um die Zahl der aufgenommenen Bilder zu vervielfachen" - allerdings müssen sie dazu auch den Weg zur Ausarbeitung finden. Dabei will Kodak seiner Philosophie folgen, "Sie drücken den Knopf, wir erledigen den Rest". Mit der Easy-Share-Technologie für seine Digitalkameras habe Kodak den ersten Knopf erfunden: Kamera in die Dockingstation einlegen, Knopf drücken, und die Bilder werden auf den PC übertragen.

Der PC aber ist eine "Bilderfalle, denn von dort kommen die Bilder nicht mehr heraus". Darum arbeite Kodak jetzt am zweiten Knopf, der sie ans Labor übertrage, beschreibt Cohade. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei Breitbandinternet.Handys mit Fotofunktion sieht Cohade als wichtigen Wachstumsfaktor dieser Entwicklung: Mit ihnen würden bald mehr Bilder als mit Kameras gemacht werden. Der erhoffte Kodak-Anteil: ausdrucken und als bezahltes Fotoalbum ins Web stellen. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 26.6.2002)

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