Aufregung um Fingerabdrucksystem in Wiener Gymnasium

26. Juni 2002, 09:18
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Kritik von Datenschützern - Geräte werden sonst nur in "Atomkraftwerken und Gefängnissen" eingesetzt

Ein Fingerabdrucklesegerät in einem Wiener Gymnasium sorgt derzeit für Kontroversen. Im BG, BRG und BORG 22. in der Polgarstraße in Wien-Donaustadt wird das Mittagessen per Daumenprint ausgegeben. Die Schüler bestätigen die Wahl ihres Menüs an einem Lesegerät. Stadtschulrätin Susanne Brandsteidl und der Datenschützer Hans Zeger von der "ARGE Daten" stehen dem System allerdings kritisch gegenüber. An der Schule versteht man die Aufregung nicht, die Eltern, so hieß es, seien schließlich damit einverstanden.

Überhaupt etwas gedacht?

Heftige Kritik an der Praxis, das Essen per Daumenabdruck zu bestellen, übte Datenschützer Zeger in einer Aussendung: "Offenbar verfolgt die Schule, sofern sie sich überhaupt etwas gedacht hat, das bildungspolitische Ziel, Kinder möglichst früh an Überwachung zu gewöhnen." Das System stelle einen völlig unzumutbaren, weil überflüssigen Eingriff in die Privatsphäre dar. Noch dazu habe die Schule sich nicht beim Datenverarbeitungsregister (DVR) registrieren lassen.

Stadtschulrat setzt Prüfung an

Aus dem Büro der Stadtschulrätin hieß es am Dienstag auf Anfrage der APA, man respektiere den Standpunkt der Schule zwar, dennoch werde man eine rechtliche Überprüfung durchführen. Brandsteidl wurde zitiert, dass es unter ihrer Leitung an der Schule sicher keine Fingerprintlesegeräte geben würde.

Seit Jahren im Einsatz

Direktor Alf Mathuber kann den Rummel um die Essensausgabe an seiner Schule nicht nachvollziehen: Das System bestehe seit zwei Jahren, und bringe eine Reihe von Vorteilen: Die Essensausgabe gehe schneller, die Kinder könnten ihre Berechtigung dazu auch nicht verlieren. Außerdem seien die Eltern damit einverstanden. Wer nicht will, könne außerdem auf herkömmliche Chipkarten zurückgreifen.

Streng vertrauliche Daten

Die Daten der Schulkinder werden streng vertraulich behandelt, betonte der Schuldirektor. Auf die Computer, auf denen sie gespeichert seien, hätten nur zwei Personen mit zwei verschiedenen Passwörtern Zugriff. "Verlässt ein Schüler die Schule, werden seine Daten vernichtet", betonte Mathuber. Er wies auf die technische Zuverlässigkeit des Fingerabdruckscanners hin: Solche Geräte würden sonst nur in "Atomkraftwerken und Gefängnissen" eingesetzt. (APA)

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