Grazer Medien-Enquete - Studie empfiehlt "Medienkompetenz- zentrum"

25. Juni 2002, 14:18
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Bündel an Maßnahmen mit Zielrichtung Südosteuropa

Bei der Enquete wurde am Dienstag die erste umfassende "Medienstudie Steiermark" präsentiert, die im Auftrag des Landes eine umfassende Situations-, Bedarfs- und Zukunftsanalyse im Medienbereich beinhaltet. "Bildung ist ein absoluter Mangel und eine Notwendigkeit", analysierte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer als einer der drei Autoren den Ist-Zustand im Journalismus. Als strategisches Ziel wurde bei der Enquete die Positionierung als "Medienkompetenzzentrum" mit Zielrichtung Südosteuropa formuliert.

Ein ganzes Bündel an Bildungsmaßnahmen wird demnächst anlaufen: Im kommenden Herbst der erste Fachhochschullehrgang Journalismus und Kommunikation, für Frühjahr 2003 steht eine Kooperation mit der Steinbeis-Hochschule Berlin für postgraduale Studien in Aussicht.

Autodidakte Journalisten

Die Autoren der "Medienstudie Steiermark" - neben Bachmayer sind dies die Grazer Universitäts-Professoren Wolfgang Mantl und Gerald Schöpfer - haben neben den strukturellen Bedingungen auch die Bildungssituation der steirischen Journalisten erhoben: 42 Prozent sind so genannte "Quereinsteiger", drei von vier Journalisten haben ihr Wissen autodidaktisch gelernt, nur knapp ein Viertel verfügt über eine konkrete Fachausbildung. OGM-Chef Bachmayer meinte ausdrücklich, dass diese Zahlen auch für andere Bundesländer Geltung hätten. Bei den über 40-Jährigen hat überhaupt der Großteil - über 80 Prozent - sein "Handwerk" nur über "training on the job" gelernt.

Steirische Journalisten sehr selbstkritisch

Die Ausbildungssituation schlägt sich auch in der Meinung der Befragten über ihre eigene Einschätzung nieder: Drei von vier Befragten sagen, dass die "Qualität des Schreibens und Berichtens" nicht oder nur teilweise eingehalten werden. 77 Prozent sagen, dass die "Gebote journalistischer Ethik" nur teilweise oder nicht zufrieden stellend erfüllt werden. Das Höchstmaß an Selbstkritik legen die steirischen Journalisten an den Tag, wenn es um das Ausbildungsniveau geht: Nur 14 Prozent gaben bei den Befragungen an, dass das Ausbildungsniveau zufrieden stellend sei: "Learning on the job ist nicht der richtige Weg", formulierte Bachmayer, "Bildung ist ein absoluter Mangel".

Journalisten-Ausbildung auf FH-Ebene

Ab kommendem Herbst sollen auf mehreren Ebenen Bildungs- und Ausbildungsoffensiven anlaufen: Neben dem bereits lange bestehenden "Medienkundlichen Lehrgang" an der Universität Graz, der vor allem als Zusatzausbildung für Studenten gedacht ist, wird es höchstwahrscheinlich erstmals eine Journalismus-Ausbildung auf Fachhochschulebene geben. Dort sollen junge Leute, die das Berufsziel Journalist haben, praxisnah studieren können. Als dritte Ebene wird voraussichtlich 2003 die Steinbeis-Hochschule Berlin sich in Graz engagieren: Geplant ist eine postgraduale Managementausbildung für die Wirtschaft. (APA)

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