Semperit-Investor will "Finanzgipfel"

25. Juni 2002, 13:55
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Polit-Unterstützung fehlt

Wien - Einen "Finanzgipfel" über die Finanzierung der teilweisen Übernahme des vor der Schließung stehenden Semperit Reifenwerks in Niederösterreich wünscht sich der niederösterreichische Industrielle Walter Schweifer. "Es wäre mir recht, wenn Bund und Land endlich sagen würden, dies kann die öffentliche Hand beitragen und jenes brauchen wir als Voraussetzung dafür", sagte der potenzielle Investor am Dienstag. Weder Bund noch Land Niederösterreich haben bisher Unterstützung für das Projekt angeboten, mit dem im besten Fall die Hälfte der Jobs in Traiskirchen gerettet werden könnten.

EU-Richtlinien erlaubten in Traiskrichen keine Beihilfen, Bürgschaften könnten nur in kleineren Fällen übernommen werden, zitiert das "WirtschaftsBlatt" am Dienstag nicht namentlich genannte Quellen aus der niederösterreichischen Landesregierung. Außerdem habe Schweifer dem Land "kein Konzept" vorgelegt, heißt es - eine Aussage, die von Schweifers Rechtsberater Michael Tröthandel als "Unsinn" zurück gewiesen wird.

"Reines Politikum"

Während sich Schweifer bei der Charakterisierung der Haltung der öffentlichen Hand deutlich zurückhaltend äußert, sagt Semperit-Reifen-Betriebsrat Alfred Artmäuer: "Was passiert, ist ein reines Politikum auf Kosten der Leute, die hier den Job verlieren". Außer vom Traiskirchener Bürgermeister Fritz Knotzer (S) kommt seiner Meinung nach von Bund und Land "null Unterstützung" - obwohl diese im vergangenen Februar von Summen von mehr als 100 Mill. S gesprochen hätten, mit denen Arbeitslosigkeit finanziert und Betriebe angesiedelt werden sollten.

"Mit Unterstützung des Landes hätte Schweifer Chancen, auch die Lkw-Reifenproduktion aufrecht zu erhalten", ist Artmäuer überzeugt. "Ich war am Anfang auch eher skeptisch, aber heute weiß ich, dass Conti bereit wäre, eine Abnahmegarantie bis zu 500.000 Stück Lkw-Reifen zu geben."

Beobachter schätzen, dass für den Kauf des Werks rund 30 Mill. Euro aufgebracht werden müssen. Ein Konsortium rund um die Gemeinde Traiskirchen soll bereit sein, das Werksgelände aufzukaufen und an den Semperit-Investor bzw. weitere ansiedlungswillige Betriebe zu verpachten. Die Verhandlungen zwischen den Investoren und Conti sollen spätestens nächste Woche abgeschlossen sein - die Zeit drängt. Per Ende Juli stellt Conti in Traiskirchen die Reifenproduktion ein. (APA)

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