Dänische EU-Präsidentschaft: Höchste Alarmbereitschaft bei Gipfeltreffen

25. Juni 2002, 13:50
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Kopenhagen bereitet sich auf Großeinsätze vor

Kopenhagen/Wien - Feuerwehr, Rettung und Polizei werden in Kopenhagen während der EU-Präsidentschaft im zweiten Halbjahr 2002 in verstärkter Bereitschaft gehalten. Selbst die Möglichkeit von Terroranschlägen mit chemischen oder biologischen Waffen wird in Betracht gezogen. Für vorübergehende Festnahmen von Demonstranten sollen während der halbjährigen EU-Präsidentschaft 550 Gefängnisplätze und provisorische Zellen in der Hauptstadtregion zur Verfügung stehen.

Feuerwehr und die technische Verwaltung der Stadt haben im Rathaus von Kopenhagen eine Kommandozentrale eingerichtet, die bei Bedarf auf Ersuchen der Polizei die notwendigen Einsatzkräfte aussenden soll, heißt es in einem Artikel der Tageszeitung "Berlingske Tidende". Dies könne von Brandbekämpfung über Ambulanzeinsätze bei Unruhen bis hin zu Aufräumarbeiten nach Demonstrationen alles bedeuten.

Zahlreiche Gipfeltreffen

Die Treffen in Kopenhagen - darunter der EU-Asien-Gipfel Ende September, der EU-Russland-Gipfel Anfang November und der Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs Mitte Dezember - werden als höchstes Risiko eingestuft. Selbst die Möglichkeit von Anschlägen mit chemischen oder biologischen Waffen wird in Betracht gezogen: Die Kopenhagener Feuerwehr hat mit der Feuerwehr im benachbarten schwedischen Malmö ein Abkommen geschlossen, wonach für derartige Katastrophenfälle in Malmö weitere Einsatzleute in erhöhter Bereitschaft gehalten werden.

Aus Sorge vor möglichen Ausschreitungen wurde bereits Ende Mai damit begonnen, Insassen aus einem Kopenhagener Gefängnis in provisorische Container-Zellen außerhalb der Hauptstadt zu überstellen. Zu den zusätzlichen Gefängnisplätzen könnten verlängerte Öffnungszeiten einiger Gerichte während der EU-Treffen eingeführt werden.

Kein "Bürgerkrieg"

Laut Vittrup müssen sich die Kopenhagener jedoch nicht "auf einen sechs Monate dauernden Bürgerkrieg mit 24-stündigem Ausnahmezustand" einrichten. Mit einem Massenaufkommen von Polizei und Demonstranten wird nur während der fünf bis sechs größten Gipfel- und Ministertreffen gerechnet. Vittrup glaubt, dass die Bevölkerung hingegen vom Großteil der rund 170 Arbeitstreffen, die meisten davon auf Beamtenebene, nichts mitbekommen wird.

Die Kosten für die außertourlichen Bereitschaftsdienste schätzt die Stadtverwaltung in Kopenhagen mit 2,3 Millionen Kronen (309.452 Euro), hinzu kommen zwei Millionen für kalkulierte Schäden an Verkehrsschildern, Straßenbelägen und Stadtausstattung sowie drei Millionen für extra Reinigungseinsätze von Straßen und Plätzen. (APA)

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