Wieder mehr Tierversuche in Österreich

25. Juni 2002, 13:42
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In den neunziger Jahren ist die Zahl der Tierversuche in Österreich kontinuierlich gesunken, seit 1999 steigt sie wieder an

Wien - In den neunziger Jahren ist die Zahl der Tierversuche in Österreich kontinuierlich gesunken, seit 1999 steigt sie aber wieder.

Im Vorjahr wurde im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" die "Tierversuchsstatistik 2001" veröffentlicht: 180.012 Tiere wurden verbraucht. Das ist um neun Prozent mehr als im Jahr 2000 (165.028 Tierversuche) und um 39 Prozent mehr als 1999 (129.644). Im für die Statistik zuständigen Bildungsministerium wird der Anstieg auf die größere Zahl an Forschungsprojekten vor allem im medizinischen Bereich zurückgeführt.

Entwicklung von Medikamenten

Das Gros der Tiere wird mit 75.968 Tierversuchen für "Forschung und Entwicklung für Produkte und Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin", also vor allem die Entwicklung von Medikamenten, verwendet, gefolgt von der "Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human- und Zahnmedizin" (56.929 Tiere). Für "biologische Untersuchungen im Bereich der Grundlagenforschung" wurden 28.754 Tierversuche registriert.

Versuchstiere

Von den insgesamt 180.012 Tierversuchen waren 142.283 Mäuse, 13.782 Kaninchen, 12.414 Ratten, 7.179 Hamster und 2.054 Amphibien, 864 landwirtschaftliche Nutztiere wie Schweine, Schafe, Ziegen. Der Rest verteilt sich auf andere Arten, darunter 75 Hunde und zehn Katzen. Weiterhin werden keine Menschenaffen für Versuche eingesetzt.

In den Ressortbereich des Gesundheitswesens (Sozialministerium) fallen 137.802 Tierversuche, laut Bildungsministerium vorwiegend für Arzneimittelforschung und -entwicklung. Im Wissenschaftsbereich (Bildungsministerium) wurden 38.169 Tiere verwendet, im Bereich Gewerbe und Industrie (Wirtschaftsministerium) 1.372 und im Umweltschutz (Landwirtschaftsministerium) 2.669 Tiere.

Gründe

Dass in den letzten Jahren die Tierversuchszahlen - vorwiegend bei Mäusen und Ratten - wieder leicht angestiegen sind, erklärt der für die Statistik zuständige Sektionschef Wolf Frühauf in "verstärkter biomedizinischer Forschung von Unternehmen sowie der Medizinischen Fakultäten zur Bekämpfung bedeutender Krankheiten wie Krebs, Leukämie, Multiple Sklerose oder Aids. Weitere Gründe seien besonders im Gesundheitsbereich die Entwicklung eines Hepatitis C-Impfstoffs sowie in Qualitätskontrolllabors die Testung von Hepatitis A-Vakzinen.

Forschungsaufträge für Ersatzmethoden zum Tierversuch

Frühauf verweist auch darauf, dass die aktuellen Zahlen deutlich unter jenen der neunziger Jahre liegen würden. Dies sei einerseits auf die Umsetzung der Strategie der so genannten "Drei R" zurückzuführen. "Drei R" steht dabei für "Reducement" (Reduktion), "Refinement" (Verbesserung der wissenschaftlichen Methoden und Verringerung des Leidens der Tiere) und "Replacement" (Ersatz von Tierversuchen durch andere wissenschaftliche Methoden). Andererseits gebe es eine "restriktive Haltung aller zuständigen Behörden bei der Genehmigung von Tierversuchen" und die Förderung von Ersatzmethoden. Das Bildungsministerium habe in den vergangenen zehn Jahren 2,3 Mill. Euro für Forschungsaufträge für Ersatzmethoden zum Tierversuch aufgewendet. (APA)

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