Kolumbien: Bedrohte Politiker können von Militärbasen aus regieren

25. Juni 2002, 13:24
posten

Angebot der Regierung an fast 200 von der FARC bedrohte Amtsträger

Bogota - Nach den hundertfachen Morddrohungen gegen kolumbianische Politiker hat die Regierung in Bogota den Betroffenen angeboten, von Militärbasen aus zu regieren. Die militärischen Einrichtungen stünden den Bürgermeistern zu ihrer Sicherheit zur Verfügung, sagte Verteidigungsminister Gustavo Bell am Montag (Ortszeit). So könne die "Demokratie aufrechterhalten werden". Seit Beginn des Monats stellte die FARC-Guerilla hunderten Kommunalpolitikern ein Ultimatum, ihr Amt niederzulegen. Fast 200 traten inzwischen zurück.

Auch der Bürgermeister der Hauptstadt Bogota, Antanas Mockus, erhielt eine Todesdrohung. Seine Frist laufe in wenigen Tagen ab, sagte Mockus. Er denke jedoch nicht daran, den Drohungen nachzugeben. Am vergangenen Freitag hatten 97 Politiker im Departamento Arauca gemeinsam ihren Rücktritt erklärt. 80 weitere Mandatsträger aus San Vicente del Caguan, wo bis zum Februar Verhandlungen mit der FARC stattgefunden hatten, legten am Montag ihre Ämter nieder. Insgesamt erhielten Kommunalpolitiker in 19 der 32 Departamentos des südamerikanischen Landes Drohungen. Ein Stadtrat in Bogota und seine Frau wurden am Montag ermordet. Die Polizei ermittelte, ob die Guerilla für die Tat verantwortlich ist.

Forderung nach Verhandlungen

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) versuchten mit ihrer neuen Taktik, die Regierung zu Verhandlungen und Zugeständnissen zu zwingen, sagte der Politikexperte Alfredo Rangel. Dem Politikwissenschaftler Fernando Giraldo von der Universität Javerina zufolge will die FARC mit den Lokalregierungen den gesamten Staat zerstören. Seit dem Sieg des rechten Politikers Alvaro Uribe bei der Präsidentschaftsdwahl Ende Mai nimmt die Guerilla zunehmend örtliche Würdenträger ins Visier.

Uribe hatte im Wahlkampf ein hartes Vorgehen gegen die Guerilla angekündigt. Er tritt am 7. August die Nachfolge des konservativen Präsidenten Andres Pastrana an. Im Gewaltkonflikt zwischen Guerilla, ultrarechten Paramilitärs und Regierungstruppen sind seit 1964 mehr als 200.000 Menschen getötet worden. Friedensverhandlungen waren im Februar gescheitert. (APA)

Share if you care.