"Der Kampf um die Legalisierung der Abtreibung wiederholt sich mit Mifegyne"

26. Juni 2002, 08:53
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Der Gynäkologe Christian Fiala richtet sich in einem Leserbrief an dieStandard.at

"Sehr geehrte Damen,

ich gratuliere Ihnen zu dem Unternehmen, das Thema in dieser Ausführlichkeit wieder in Erinnerung zu rufen. Aber auch die Durchführung ist ausgesprochen gelungen. Erlauben Sie mir als Arzt und nach vielen Jahren Erfahrung in der Durchführung von Abbrüchen, Sie auf ein paar Details hinzuweisen:

Das Gesetz in Österreich ist in Ihrer Ausgabe unvollständig wiedergegeben. Und zwar wird der Beginn der Schwangerschaft im Gesetz in einem eigenen Absatz mit der Einnistung der befruchteten Eizelle definiert. Dadurch ergibt sich in Österreich die Möglichkeit bis zur 16. Woche, gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung eine Schwangerschaft abzubrechen. Die meisten Abbrüche werden zwar vor der 12. Woche durchgeführt, aber immer noch fahren jedes Jahr 100-200 Frauen aus Österreich nach Holland, weil viele Ärzte in Österreich Abbrüche nach der 12. Woche ablehnen.

Der von Ihnen beschriebene Kampf um die Legalisierung des Abbruches wiederholt sich derzeit im Zugang zur sogenannten Abtreibungspille, Mifegyne. Es ist ein unglaublicher Skandal, daß Frauen in Österreich immer noch keinen freien und flächendeckenden Zugang zu dieser Methode haben. Auch ist diese Methode in Ihren Beiträgen sehr kurz gekommen. Im Krankenhaus Korneuburg wird Mifegyne seit Januar 1999 angewendet. 90 Prozent der behandelten Frauen würden sich wieder für diese Methode entschließen. Damit ist nicht gesagt, daß Mifegyne eine bessere Methode ist, vielmehr haben die behandelten Frauen die für sie richtige Entscheidung getroffen.

Schließlich möchte ich Sie noch bitten einen Link auf die Seite Abtreibungspille in der elektronischen Version Ihrer Zeitung hinzuzufügen, bzw. bei weiteren Publikationen zu berücksichtigen. Diese Seite haben wir eingerichtet, um Frauen mit einer ungewollten Schwangerschaft über diese Methode zu informieren. Die darin enthaltenen Informationen basieren auf den Erfahrungen im Krankenhaus Korneuburg."

Dr. Christian Fiala

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