Albaniens neuer Staatschef

25. Juni 2002, 12:15
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Tirana/Wien - Albaniens neues Staatsoberhaupt Alfred Moisiu versteht sich als Garant für die Annäherung des kleinen Balkanlandes an NATO und EU. Der 74-jährige Ex-General, der am Montagabend als Konsenskandidat der regierenden Sozialisten und der oppositionellen Demokraten vom Parlament in Tirana zum Nachfolger von Präsident Rexhep Meidani gewählt wurde, hat angekündigt, er werde nicht das "Werkzeug" in den Händen der beiden Parteiführer Fatos Nano und Sali Berisha sein, von deren erbitterter Feindschaft die albanische Innenpolitik in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt war. Er wolle in seiner fünfjährigen Amtszeit die "Stabilität des Landes stärken und zur Annäherung an die euroatlantischen Strukturen beitragen", betonte Moisiu nach seiner Wahl.

Alfred Moisiu, der aus der nordalbanischen Stadt Shkoder stammt, wurde am 1. Dezember 1929 als Kind einer christlichen Familie geboren. Er nahm 1943 als Vierzehnjähriger am Widerstandskampf gegen die italienischen und deutschen Invasoren teil. Nach der Befreiung des Landes und der kommunistischen Machtübernahme erhielt er eine militärische Ausbildung in der Sowjetunion. Er schloss das Studium an der Leningrader Hochschule für Wehrtechnik ab. Unter dem Regime des kommunistischen Diktators Enver Hoxha führte ihn seine Laufbahn bis in den Generalstab der Volksarmee. Von 1971 bis 1982 war Moisiu stellvertretender Verteidigungsminister. 1979 erwarb er das Doktorat der Militärwissenschaften der Universität Tirana. Nachdem er bei Hoxha in Ungnade gefallen war und seinen Vizeministerposten verlor, erfüllte er untergeordnete Aufgaben im Norden des Landes.

Nach der politischen Wende 1991 wurde Ex-Armeegeneral Moisiu vorübergehend Verteidigungsminister in der ersten Regierung, die nach demokratischen Mehrparteienwahlen gebildet wurde. Von 1992 bis 1997 war er Sonderberater von Staatschef Sali Berisha, dessen Demokratischer Partei er sich anschloss. Auch ist es die Nähe zu Berisha, die ihm von seinen Kritikern angekreidet wird.

1997 führte der Zusammenbruch dubioser Finanzgesellschaften, durch den Zehntausende von Kleinanlegern völlig ruiniert wurden, zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen mit Hunderten von Toten. Die Situation konnte nur durch die Entsendung einer multinationalen Schutztruppe stabilisiert werden. International kontrollierte Wahlen setzten der Herrschaft Berishas und seiner Partei ein Ende und brachten die aus der ehemaligen KP hervorgegangenen Sozialisten an die Macht. Moisiu fand eine neue Betätigung an der Spitze der 1994 von ihm gegründeten Euroatlantischen Vereinigung Albaniens. 1995 hatte er einen Lehrgang am NATO-Militärkolleg in Rom besucht.

Moisiu, der am 24. Juli sein Amt antreten wird, spricht drei Fremdsprachen: Russisch, Italienisch und Englisch. Über seine Familienverhältnisse liegen keine offiziellen Angaben vor. (APA)

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