Prostituiertenmorde: Alte Spuren werden neu untersucht

25. Juni 2002, 12:15
posten

Suche nach Sachbeweisen baut auf DNA-Analyse

Im Fall des mutmaßlichen Prostituiertenmörders Helfried B. sind die Einvernahmen durch die ermittelnden Beamten des Wiener Sicherheitsbüros vorläufig abgeschlossen. Die Kriminalisten sind auf der Suche nach Sachbeweisen. Im Mittelpunkt stehen jene drei Morde, die der Verdächtige ursprünglich zugegeben, wo er die Geständnisse später aber widerrufen hat: an der Prostituierten Gertraude S. 1989 in Graz und in Wien 1994 an Eva M. und 1995 an Evelyn M. Eine große Rolle spielt die DNA-Analyse.

"Es ist eine eher langwierige Sache"

In allen drei Mordfällen sind damals Spuren gesichert und konserviert worden. Diese Proben sollen klären, ob Helfried Berger mit den Taten in Verbindung steht. "Altes Material wird mit neuen Methoden untersucht", sagte der stellvertretende Leiter des Wiener Sicherheitsbüros, Dr. Ernst Geiger. "Es ist eine eher langwierige Sache."

In den Labors in Wien und Innsbruck wird versucht, aus den Tatortspuren DNA zu extrahieren. Bei den untersuchten Gegenständen handelt sich beispielsweise um die Mordwerkzeuge wie einen Gürtel oder ein Elektrokabel oder Haare, die am Körper der Opfer gefunden wurden. Erhält man verwertbare Proben, werden sie analysiert und in der DNA-Datenbank in Innsbruck mit dem "genetischen Fingerabdruck" des Verdächtigen verglichen.

Das Innsbrucker Institut für Gerichtliche Medizin (GMI) ist durch die DNA-Untersuchungen eine "Schlüsselstelle" für Kriminalfälle geworden. Am "Österreichischen DNA-Zentrallabor" werden 90 bis 95 Prozent aller DNA-Proben für die Gerichtsmedizin analysiert.

Die Methode

Für kriminalistische Datenbanken werden weltweit die DNA-Eigenschaften an etwa zehn bestimmten Stellen des Erbguts untersucht. Sie unterscheiden sich bei jedem Menschen - geringfügig - in ihrer Länge, eine Eigenschaft, die "Short Tandem Repeat" genannt wird. Die "STR-Analyse" wird standardmäßig für nationale DNA-Datenbanken verwendet. Dabei wird von den ungefähr drei Milliarden Bausteinen jeder Zelle nur in etwa der Ein-Millionste-Teil bestimmt.

Um die Eigenschaften der DNA festzustellen, werden mit Hilfe der so genannten Polymerasen Kettenreaktion (PCR) die zu untersuchenden Abschnitte von etwa 100 bis 300 Bausteinen millionenfach im Reagenzglas vermehrt. Die dabei entstandene DNA-Menge ist noch immer unsichtbar. Ihre Eigenschaften werden mit Hilfe von Elektrophoresegeräten festgestellt, die die minimalen Längenunterschiede der DNA-Abschnitte messen. Die Summe aller untersuchten Eigenschaften ist so individuell, dass mindestens eine Milliarde unverwandter Menschen untersucht werden müsste, um zufällig ein zweites Mal die gleiche Kombination von Merkmalen zu finden.

Neben der STR-Anlayse finden noch andere Untersuchungsmöglichkeiten der DNA ihre Anwendung: die mitochondriale DNA, Cytochrom-B-Methode, SNP's und y-chromosomale Eigenschaften.

Die Österreichische Nationale DNA-Datenbank des Innenministeriums besteht seit 1997 und ist derzeit die drittgrößte in Europa. Pro Jahr werden im DNA-Zentrallabor rund 15.000 Proben - biologische Spuren wie Blut, Sperma, Speichel und Haare - untersucht. (APA)

Share if you care.