"Rattengift-Prozess": Strychnin-Dosis war "tödlich"

25. Juni 2002, 12:07
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Rettung der beiden Opfer wäre bei rascher professioneller Hilfe möglich gewesen

Der so genannte "Rattengift-Prozess" wurde am Dienstag beim Landesgericht Linz mit den Ausführungen eines Sachverständigen für Toxikologie fortgesetzt. Der Experte ließ keinen Zweifel: "Die in den Körpern der beiden Opfer vorhandene Strychnin-Menge war tödlich". Nur bei sofortiger und professioneller Hilfe wäre eine Rettung möglich gewesen.

Des Doppelmordes angeklagt sind ein 23-jähriger Mann und zwei 16-Jährige. Sie haben im Juli des vergangenen Jahres in einem Park in Perg der 13-jährigen Sandra und ihrem um drei Jahre älteren Freund Dominic statt Drogen das Rattengift Strychnin verkauft. Das junge Paar starb qualvoll. Die drei Angeklagten bestreiten die Tötungsabsicht, es habe sich um einen "Drogenunfall" oder um eine fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolgen gehandelt.

Der Toxikologe von der Gerichtsmedizin Salzburg bestätigte die fatale Wirkung von Strychnin. Es verursache massive Krämpfe und extreme Schmerzen, das alles bei vollem Bewusstsein. Es mache auch bewegungsunfähig.

Beruhigungstabletten eingenommen

Zur Sprache kam auch, dass Dominic einige Stunden vor der Tragödie - zufällig - Beruhigungstabletten einnahm, die er seiner Großmutter entwendet hatte. In diesen Tabletten befindet sich ein Wirkstoff, der auch als "Gegenmittel" bei einer Strychnin-Vergiftung dient. Der Toxikologe führte aber aus, dieser Wirkstoff sei in viel zu geringer Menge in den Tabletten vorhanden, als dass er im vorliegenden Fall geholfen hätte.

Grundsätzlich wäre eine Rettung der beiden Strychnin-Opfer nur dann möglich gewesen, wenn möglichst rasch professionelle Hilfe geholt worden wäre, sagte der Sachverständige.

Der Prozess wird am Mittwoch mit der Befragung der Spurensicherer der Gendarmerie und - voraussichtlich am Nachmittag - des Wiener Jugend-Psychiaters Max Friedrich fortgesetzt. (APA)

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