Springer erwägt gleichzeitig Ein- und Ausstieg aus TV-Geschäft

25. Juni 2002, 11:58
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Angebot für KirchMedia laut Verlagschef noch unsicher

Hamburg - Im Bieterwettbewerb um die KirchMedia denkt der Axel Springer Verlag sowohl über einen Ausbau des TV-Geschäfts als auch über einen Ausstieg nach. "Durch die aktuelle Lage bietet sich die Chance, unsere 11,5 Prozent-Beteiligung an der ProSiebenSat.1 Media AG zu einer strategischen Position im Fernsehgeschäft auszubauen", sagte Vorstandschef Mathias Döpfner dem "Stern". Denkbar sei aber auch, den TV-Anteil an Kirch zurückzugeben und das Fernsehgeschäft zu beenden.

Für den möglichen Einstieg bei der insolventen KirchMedia hatte der Springer-Verlag in der vergangenen Woche ein Konsortium mit dem Heinrich Bauer Verlag gegründet. "Wir wären fahrlässig, wenn wir die Möglichkeit, eine Sperrminorität von 25,1 Prozent zu erwerben, nicht prüfen würden", sagte Döpfner.

"Wollen keinen zu hohen Preis bieten"

Dem Springer-Chef zufolge steht aber noch nicht fest, ob die beiden Verlage tatsächlich ein Angebot abgeben werden. "Die Zahlen müssen stimmen. Wir werden jedenfalls keinen zu hohen Preis bieten", sagte Döpfner. Er würde sich nicht wundern, "wenn es am Ende heißt: Es ist Auktion, und keiner geht hin." Döpfner wies Vermutungen zurück, wonach das Springer-Bauer-Konsortium nur als Strohmann für andere Investoren auftrete, beispielsweise für den amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch. Dies sei Unsinn.

Neben Übernahmeplänen für KirchMedia denkt der Springer-Verlag nach Döpfners Worten auch über das Gegenteil nach: den Ausstieg aus dem Fernsehgeschäft. Der Verlag wolle sich diese Möglichkeit weiterhin offen halten. Eine entsprechende Option hatte Ende Januar das Aus für den Kirch-Konzern eingeleitet. Springer machte von seiner vertraglich festgelegten Möglichkeit Gebrauch, seine Anteile an der Senderfamilie um ProSieben an Kirch zurück zu geben. Die fälligen knapp 770 Mill. Euro konnte KirchMedia nicht zahlen.

Springer-Chef Döpfner rechnet sich dennoch Chancen aus, das Geld zu erhalten. "Unsere Ansprüche laufen nicht nur gegen die insolvente KirchMedia, sondern auch gegen die operativ weiterhin tätige Taurus TV GmbH. Und diese Firma verfügt über nennenswertes Vermögen."(APA/AP)

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