Eine einzige Chipkarte für viele Aufgaben

25. Juni 2002, 11:36
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Zukunft bringt viele Möglichkeiten - Chipkarten mit Display und biometrischen Sicherheitsfunktionen

Mit zunehmender Leistungsfähigkeit der kleinen Chips für den Einbau in Plastikkarten verstärkt sich der Trend zur Multifunktionskarte. "Wir müssen von diesen 20 Karten in unserer Brieftasche weg", sagt der Elektrotechniker Hermann Eul, der bei Infineon den Geschäftsbereich der integrierten Schaltkreise für Chipkarten leitet.

SIM-Karten

Ähnlich wie bei den dicken Prozessoren für den Computer verdoppelt sich auch bei den papierdünnen Chips für die Plastikkarte etwa alle eineinhalb Jahre die Zahl der Transistoren. Die stärksten Antriebskräfte für immer höhere Speicherkapazitäten sind die SIM-Karten für das Handy, die derzeit in der Massenproduktion Platz für 32 Kilobyte, im oberen Qualitätsbereich auch schon für Daten im Umfang von 64 KB bieten. "Die Speicheranforderungen werden jedes Jahr höher, das ist wie beim PC", erklärt Infineon-Manager Eul.

Nur eine Karte

Je leistungsfähiger der Speicherbaustein, desto mehr Adressbereiche können genutzt werden. So könnten Geldkarte, Kreditkarte, Krankenkassenkarte, digitale Signatur, der Schlüssel für das Online-Banking nach dem HBCI-Standard, die Zugangskontrolle für ein bestimmtes Gebäude oder Treuepunkte von Unternehmen wie der Lufthansa auf eine einzige Karte gepackt werden. Die Chip-Technik gewährt dem Lesegerät, in das die Karte gesteckt wird, dann nur Einblick in den Speicherbereich, der für den jeweiligen Dienstleistungsanbieter reserviert ist.

Füherschein am Chip

"Die Technik ist da, jetzt kommt es nur noch auf den Willen an, dies auch umzusetzen", erklärt Eul. Im Einsatz ist eine solche Multifunktionskarte unter anderem schon beim amerikanischen Verteidigungsministerium. Dort sind den Mitarbeitern immer neue Ideen eingefallen, welche zusätzlichen Funktionen auf die neue Karte gebracht werden können - bis hin zur Verwendung als Führerschein.

Viele Möglichkeiten

Zehn Jahre nach den Anfängen der Chipkarten-Technik scheinen die Möglichkeiten der Weiterentwicklung nahezu unbegrenzt. Die RFID-Chips (Radio Frequency Identification) von Infineon übermitteln ihre Daten über Funk an ein Lesegerät. Wird ein solcher Chip auf eine Eintrittskarte gebracht, wird die manuelle Kartenkontrolle überflüssig. Wenn ein Chip mit dieser Technik in den Personalausweis integriert würde, könnten Grenzkontrollen auf dem Flughafen schneller abgewickelt werden. Bibliotheken setzen sandkorngroße RFID-Chips ein, um Hunderttausende von Büchern und Dokumenten jederzeit auffinden zu können.

Chipkarte mit integriertem Display

Als Designstudie zeigt Infineon-Manager Hermann Eul eine Chipkarte mit integriertem Display: Hier kann etwa angezeigt werden, wie hoch das auf der Karte gespeicherte Guthaben ist. Bei jedem Kontakt mit einem Lesegerät wird die Anzeige aktualisiert. Eul schätzt, dass die Chipkarte mit Display frühestens in zwei Jahren Wirklichkeit wird.

Chipkarte mit biometrischen Sicherheitsfunktionen

Schon jetzt ist es möglich, die Chipkarte mit biometrischen Sicherheitsfunktionen auszustatten: Die "FingerTIP"-Technik von Infineon integriert einen Sensor auf die Chip-Karte, der die charakteristischen Merkmale des Fingerabdrucks erkennt und mit den Daten auf dem Chip vergleicht. Umgekehrt kann aus diesen Daten aber nicht der vollständige Fingerabdruck rekonstruiert werden.

Besserer Schutz der Daten?

Der Befürchtung eines lückenlos erfassten elektronischen Bürgers setzt Eul das Argument entgegen, dass die persönlichen Daten auf der Chipkarte besser geschützt sind als auf einem Zentralcomputer: "Ich kann auf dem Chip meine Daten sicher speichern, ohne dass jemand unberechtigten Zugriff darauf erlangt." Die in Dresden, Regensburg und Villach produzierten Chips enthalten dazu gleich mehrere technische Schutzvorkehrungen. Dazu gehört auch eine Technik, mit deren Hilfe ein Chip erkennt, wenn jemand mit physischen Verfahren versucht, den Datenspeicher aufzubrechen. "In einem solchen Fall zerstört sich der Chip selbst", erklärt Eul.

Die Krise der Halbleiter-Industrie im vergangenen Jahr hat auch die Produzenten der Karten-Chips erfasst; dieser fiel mit einem Rückgang von vier Prozent nach Erhebungen von Dataquest allerdings nicht ganz so stark wie in der gesamten Branche (minus 32 Prozent). Im Kreis der Wettbewerber wie STM, Philips und Hitachi ist Infineon mit 38 Prozent Umsatz-Marktführer; nach Stückzahlen erreichte der Weltmarktanteil an ausgelieferten Karten-Chips im vergangenen Jahr sogar 51 Prozent. In welchem Ausmaß sich die Branche in diesem Jahr erholen kann, ist derzeit noch ungewiss. Von den drei Infineon-Betrieben für die Chipkarten-Halbleiter produzieren Regensburg und Villach derzeit noch unterhalb ihrer Kapazitäten. (Von Peter Zschunke/APA/AP)

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