Aus KPNQwest Austria wird "Eunet"

26. Juni 2002, 17:47
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Global Equity und Volksbank retten insolvent Tochter des holländischen Kabelnetzbetreibers - Rund die Hälfte der Mitarbeiter wird abgebaut

Die Zukunft des vor rund zwei Wochen Pleite gegangenen KPNQwest Austria, Österreichs erster kommerzieller nach eigenen Angaben im Businessbereich größter heimischer Internetprovider, ist gesichert. Der Wiener Venture-Capitalist Global Equity Partners (GEP) und die Volksbank (VB) Investmentbank haben am Dienstag den Kaufvertrag zur Übernahme der Konkursmasse und damit sämtlicher Aktivitäten der Österreich-Tochter des insolventen niederländischen Kabelnetzbetreibers unterzeichnet, teilten die Käufer in einer Pressekonferenz mit. Der Kaufpreis wurde nicht verraten. Ein Viertel der Summe geht an die Gläubiger.

Rund die Hälfte der Mitarbeiter wird abgebaut

Übernommen werden die Telekomleitungen, das Anlagevermögen zum Betrieb des Basisnetzes (Backbone), das Büro und die notwendigen Mietverträge. Von Personal übernehmen die neuen Eigentümer rund die Hälfte - exakt 50 Mitarbeiter. Zuletzt beschäftigte das Unternehmen 91 Mitarbeiter, einen Gutteil davon allerdings in einem internationalen Call Center für Österreich, Deutschland und die Schweiz, das nach dem Konkurs des Mutterkonzerns nicht mehr benötigt wird.

"EUnet"

Mit der Übernahme verliert KPNQwest Austria auch seinen Namen. Das Unternehmen, dass 1998 von Qwest übernommen wurde, soll wieder seine ursprüngliche Marke erhalten, die sie vor der Übernahme hielt - nämlich "EUnet". Die markenrechtliche Frage soll noch bis Ende dieser Woche geklärt werden. Unter neuem Namen will das Unternehmen dann künftig wieder mehr auf Services als auf den Kabelnetzbetrieb in Österreich setzen. Das Angebot soll dahingehend überarbeitet werden.

Gründerstimmung

Chef der neuen Gesellschaft - liebevoll NEUnet genannt - wird der seinerzeitige Gründer der EUnet und nunmehrige Global Equity-Vorstand Herbert Herdlicka. Er will das Unternehmen binnen 3 Monaten konsolidieren. Für das Gesamtjahr strebt Herdlicka trotz leichter Kundenverluste einen Gewinn auf Cash-Flow-Basis an. Der Umsatz soll nach Erwartungen des neuen Chefs nach 25 Mill. Euro 2001 heuer auf 14 bis 20 Mill. Euro zurückgehen.

Kunden, Kunden, Kunden, ...

"Der Kundenabgang war seit dem Konkurs doppelt so groß wie im Normalfall. Insgesamt haben wir bisher aber sehr wenige Kunden verloren und hoffen, dass die Zahl nicht steigt", sagte Herdlicka. Derzeit hat EUnet 15.000 Kunden, 62 davon zählen zu den größten 100 Unternehmen des Landes.

Der Verkauf von KPNQwest Austria an Global Equity und Volksbank - übrigens im Verhältnis 2 zu 1 - war nicht zuletzt aus Furcht vor weiteren Kundenverlusten innerhalb von zehn Tagen abgeschlossen worden. "Das Internet ist ein sehr schnelles Geschäft und so war auch die Übernahme eine extrem schnelle Angelegenheit", betonte Herdlicka. Für die nähere Zukunft schließt Herdlicka weiter IT-Akquisitionen sowohl bei EUnet als auch bei Global Equity nicht aus.

Das alte Management scheidet aus

Der Global Equity-Vorstand soll nun für rund sechs bis zwölf Monate das Unternehmen leiten und anschließend in den Aufsichtsrat wechseln. In der Zwischenzeit soll ein neues Management aufgebaut werden. Das alte Management von KPNQwest Austria scheidet aus. (APA)

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Eunet

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