Palästinenser reagieren unterschiedlich auf Bush-Rede

25. Juni 2002, 16:04
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Generalsekretär des Kabinetts weist "schwere Einmischung in innere Angelegenheiten" zurück - Arafat heißt "vorgestellte Ideen willkommen" - Sharon "extrem zufrieden"

Jerusalem/Ramallah - Israel und die Palästinenserführung haben am Montagabend die Rede von US-Präsident George W. Bush zur amerikanischen Nahost-Politik offiziell begrüßt. Der israelische Rundfunk zitierte aus einer Erklärung von Ministerpräsident Ariel Sharon, in der es hieß, er habe bereits in der Vergangenheit mehrfach gesagt, dass Fortschritte nur auf diplomatischem Wege diskutiert werden könnten. Zunächst müssten Terror und Gewalt beendet sowie die Autonomiebehörde unter einer neuen Führung reformiert werden. Ein Fernsehkommentator meinte, Sharon sei mit der Rede von Bush "extrem zufrieden".

Der israelische Staatspräsident Moshe Katzav hat am Dienstag die Nahost-Rede von US-Präsident George W. Bush begrüßt. Nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Dominique de Villepin sagte Katzav, Bush gebe "positive Leitlinien für eine Einigung" mit den Palästinensern vor. Israel war von Bush ermahnt worden, seinen Beitrag zu einem Frieden zu leisten und den völkerrechtswidrigen Siedlungsbau einzustellen sowie die Truppen aus den Palästinensergebieten abzuziehen.

Der israelische Parlamentspräsident Avraham Burg sagte nach einem Treffen mit Außenminister de Villepin, der französische Politiker habe im Gespräch mit ihm Bushs Rede kritisiert. Die USA könnten nach Ansicht de Villepins nicht der einzige Vermittler in Nahost sein, und Bush habe mit seiner Rede den "diplomatischen Spielraum im Friedensprozess blockiert", zitierte Burg nach Angaben des israelischen Rundfunks seinen Gesprächspartner.

Palästinenserpräsident Yasser Arafat begrüßte die Rede, in der sich Bush für eine neue Palästinenserführung ausgesprochen hatte, ebenfalls. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa erklärte Arafat, er heiße "die in der Rede von Bush vorgestellten Ideen willkommen" und hoffe, diese stellten einen "ernsthaften Beitrag zum Voranbringen des Friedensprozesses" dar.

Der Generalsekretär des Palästinenserkabinetts, Ahmed Abdel Rahman, erklärte dagegen, die Äußerungen von Bush seien für die Palästinenserführung "nicht akzeptabel". Die Rede sei eine "schwere Einmischung in die inneren palästinensischen Angelegenheiten". (APA/dpa/Reuters)

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