USA erkennen Madagaskars neuen Präsidenten an

26. Juni 2002, 15:00
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Chirac fordert erneut Gespräche der Kontrahenten

Antananarivo/Paris - Nach monatelangem Machtkampf in Madagaskar haben die USA den neuen Präsidenten Marc Ravalomanana anerkannt und die Freigabe bisher eingefrorener Auslandsguthaben angekündigt. US-Botschafterin Wanda Nebitt sagte nach ihrer Teilnahme an den Zeremonien zum nationalen Unabhängigkeitstag am Mittwoch, sie gehe davon aus, dass auch die anderen westlichen Länder dem Beispiel Washingtons folgen würden. Bei den Feiern im Stadion der Hauptstadt Antananarivo mit bis zu 40.000 Zuschauern waren auch die Botschafter Deutschlands, Großbritanniens und Japans sowie Vertreter der EU, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) anwesend. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich war dagegen nicht vertreten.

"Ab sofort" werde mit der Freigabe der Auslandsguthaben des madegassischen Staates begonnen, die fast vollständig bei der US-Notenbank ruhen, sagte Nebitt weiter. Die Bank hatte die Guthaben beim Ausbruch der politischen Krise im Dezember gesperrt. Seitdem kämpften Ravalomanana und sein Vorgänger Didier Ratsiraka erbittert um die Macht. Nebitt übergab dem neuen Präsidenten während der Zeremonie auch ein Schreiben von US-Präsident George W. Bush. Ravalomanana begrüßte den Schritt der USA und äußerte die Hoffnung, dass die internationale Gemeinschaft folgen werde. Bisher hatten ihn nur die Schweiz und Norwegen als neuen Staatschef anerkannt.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac forderte erneut Gespräche zwischen den verfeindeten Parteien. Nur auf Basis eines "konstruktiven Dialogs" könne eine politische Lösung für den Inselstaat gefunden werden, erklärte er in Paris. Zu der Abwesenheit des französischen Botschafters bei der Unabhängigkeitsfeier in Antananarivo äußerte sich das Pariser Außenamt nicht. Ex-Präsident Ratsiraka pflegt enge Beziehungen nach Paris, wohin er vergangene Woche vorübergehend ausgereist war.

Ratsiraka weigert sich, seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl im Dezember anzuerkennen. Wegen der anhaltenden Spannungen zwischen den Anhängern der Kontrahenten sowie innerhalb der Armee drohte Madagaskar zuletzt die Spaltung. Inzwischen kehrte der Ex-Präsident wieder in den Inselstaat zurück, wo er sich mit seinen Getreuen in seiner Heimatstadt Toamasina verschanzt hat. (APA)

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