Gute Geschäfte mit dem Favoritensterben

24. Juni 2002, 19:31
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Fußball-WM bringt Onlinewettbüros Umsatzzuwächse

Die österreichischen Sportwettanbieter sind mit dem bisherigen Verlauf der Fußball-Weltmeisterschaft großteils zufrieden. "Das Geschäft könnte nicht besser laufen", sagt etwa Josef Schöpf, Finanzvorstand bei Admiral Sportwetten. Die Gründe für den guten Geschäftsverlauf seien einerseits das Favoritensterben, andererseits aber auch die Tatsache, dass der ORF nicht alle Spiele live übertragen habe. "Unsere Wettcafés sind trotz der für europäische Verhältnisse frühen Beginnzeiten gesteckt voll", sagt Schöpf.

Um bis zu 70 Prozent

Insgesamt würden die Wetteinsätze bei Admiral in diesem Monat um bis zu 70 Prozent über einem "normalen" Juni liegen. "Auch die Nichtwettfreudigen riskieren bei Großereignissen wie der Fußball-WM gerne einmal den einen oder anderen Tipp", begründet Schöpf.

Beim Konkurrenten Betandwin hatte man sich vor Beginn der WM eine Verdoppelung des Umsatzes im Monat Juni vorgenommen. "Ein Umsatzplus bei einem solchen Großereignis liegt in der Natur der Sache, viel wichtiger ist für uns aber die Gewinnung von neuen Kunden", sagt Karin Klein von Betandwin. Der derzeitige Kundenstock von 300.000 solle vor allem durch "kompetitive Quoten" massiv aufgestockt werden.

Noch Potenzial

Auch beim Internetwettanbieter Interwetten.com ist man mit dem Geschäft "im großen und ganzen zufrieden", sagt Vorstand Heinz Patzelt. Allerdings: "Hätten die Spiele am Abend stattgefunden und wären alle live übertragen worden, wäre die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit größer gewesen. Dann hätten wir um etwa 50 Prozent mehr Umsatz gemacht." Interwetten betreibt im Gegensatz zu Admiral keine Wettcafés und konnte daher auch nicht mit zusätzlichen Übertragungen punkten.

Das Favoritensterben habe sich positiv auf die Margen ausgewirkt, da die meisten Leute auf Favoriten wie Argentinien oder Frankreich gesetzt hätten. "Ein hoher Favorit, der nicht gewinnt, ist für Wettbüros immer gut", sagt Patzelt. Einziger Wermutstropfen: Auf vermeintlich unattraktivere Spiele wie etwa Türkei gegen Senegal im Viertelfinale werde auch weniger gewettet. Daher sei der Umsatz gegenüber einem Monat mit normalem Meisterschaftsbetrieb ungefähr gleich geblieben, allerdings bei deutlich weniger Spielen.

Gehalten

Diese geringere Zahl an Spielen als in "normalen Monaten" machte sich auch bei Tipp 3, der Sportwettentochter der Österreichischen Lotterien, bemerkbar. Man habe sich keine großen Umsatzzuwächse durch die WM erwartet, "diese Erwartungen konnten wir aber halten", sagt Bernadette Schwentner von Tipp 3. (Robert Zwickelsdorfer - DER STANDARD PRINTAUSGABE, 25. Juni 2002)

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