Engelskonzert und Vernetzung

24. Juni 2002, 19:23
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Ikonografisches Projekt erforscht alte Bildquellen zur Musik

Wien - Ein Bild aus der Wenzelsbibel, spätes 14. Jhdt.: Josephs Tod, sein Begräbnis und - ein Engelskonzert. "Dargestellt sind Geradtrompete, Ala bohemica, Fiedel und Laute. Bei Josephs Tod öffnet sich für den damaligen Leser gleichsam der Himmel: Punktgenau wird ein Bild in den Text eingebettet, worin die spätmittelalterliche Vorstellung von Engelsmusik als Ausdruck jenseitiger Freuden der Seligen sichtbar wird. Das ist eine von etwa 2200 Bildquellen zur Musik, die bisher in einem FWF-Projekt aus den reichhaltigen Beständen mittelalterlicher Buchmalerei in Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek erschlossen wurden", erzählt Musikwissenschafter Björn R. Tammen (Uni Innsbruck), der dieses Musikikonografie-Projekt durchführt.

Das Projekt befasst sich mit einer Systematik der bildlichen Musikdarstellungen in Handschriften des 14./15. Jhdts. "Dies ist ein Beispiel, an dem der innovative Ansatz des Projektes deutlich wird: Es geht nicht nur um die Entwicklung von Instrumenten oder Bildmotiven, sondern auch darum, wie Bild und Text vernetzt sind."

"Für eine Mediengeschichte des Mittelalters stellt das Projekt interessantes Material bereit", so Tammen. Es zeige für alte Instrumente neues Bildmaterial, da der Musikwissenschaft manche Quelle in dieser Hinsicht noch unerschlossen gewesen wäre. (tos/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 6. 2002)

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