Sonja Puntscher-Riekmann, Expolitikerin mit selten guter Nachrede

24. Juni 2002, 19:16
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Selten wird Politikern, die aus der Politik ausscheiden, die Gnade ausschließlich wohlwollender Nachrede zuteil. Wechseln sie in einen Beruf, der auch nur halbwegs öffentliches Interesse erweckt, ist die Aussicht auf diese Gnade etwa so groß wie Chance, im Prater Zeuge einer Marienerscheinung zu werden.

Die ehemalige grüne Abgeordnete, Programmkoordinatorin und ORF-Kuratorin Sonja Puntscher-Riekmann stellt den seltenen Fall einer ehemaligen Politikerin dar, der nur Gutes nachgesagt wird. Vielleicht liegt das auch daran, dass ihre wahre Liebe weniger der Politik als der Wissenschaft gegolten hat und gilt, was sich im Lebensentwurf der gebürtigen Südtirolerin deutlich abzeichnet.

Im Nationalrat saß Puntscher-Riekmann nur kurz, als sie 1994 dem aus gesundheitlichen Gründen ausscheidenden Abgeordneten Manfred Srb für die verbleibenden fünf Monate der Legislaturperiode nachfolgte. Für die Grünen hatte sie sich schon zuvor engagiert: Von 1987 bis 1989 als wissenschaftliche Referentin, 1990 als Hauptautorin des Parteiprogramms von Telfs. Im Oktober wird Puntscher-Riekmann nun den Lehrstuhl für "Politische Theorie unter Berücksichtigung der europäischen Integration" an der Uni Salzburg übernehmen.

Ihre Ziele dort hat die 45-Jährige hoch gesteckt. Zum einen will sie die Arbeit ihres Vorgängers Franz Horner fortsetzen und einen Schwerpunkt auf die klassische politische Theorie legen, "den Studenten natürlich die Geschichte von der Antike bis heute vermitteln, aber auch den Gegenwartsbezug herstellen und ihre Aufmerksamkeit auf die immer gleich bleibenden Fragen der Macht richten". Daneben will sie einen kräftigen Europa-Akzent setzen: "Da muss in Salzburg ein konsistenteres Profil in diesem Fach geschaffen werden." Was ist Europa, was sind genuine europäische Interessen im Zusammen- oder Widerspiel mit der Hegemonialmacht USA, welche Aspekte der Erweiterung werden Europa beeinflussen und verändern - das sind einige der Fragen, der ihre Studenten künftig nachgehen dürfen.

Mit Salzburg schließt sich für Puntscher-Riekmann ein Kreis, den man mit "Mozart" umschreiben könnte. In der Geburtsstadt des Komponisten setzt sich eine akademische Karriere fort, die an der Wiener Germanistik begonnen hat - Puntscher-Riekmann dissertierte bei Herbert Zeman über "Mozart und die höfische Gesellschaft". Nach dem Studium der Germanistik und Romanistik setzte sie dann ein Postgraduate (Politologie) am Institut für Höhere Studien bei Eva Kreisky drauf und hat "seither nur noch politisch gearbeitet" - unter anderem ein Jahr an der Humboldt-Universität in Berlin und seit 1995 an der Akademie der Wissenschaften. (Samo Kobenter/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 6. 2002)

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