Liebe, Krieg und W.U.T.

25. Juni 2002, 19:53
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das Wiener Unterhaltungstheater W.U.T. spielt im Kabelwerk "Troilus und Cressida"

Ein Heer diplomatischer Vollidioten kämpft in Troja um - man weiß es nicht wirklich: nur um eine Frau? Dass sich die schön entführte Helena als Marilyn Monroe der Zeltlager hochbeglückt in den Betten der Trojaner räkelt, erzürnt mit ihrem Gatten Menelaos gleich sein ganzes Griechenvolk. Grund für einen zähen Krieg, welcher selbst mit weiterem "Warenaustausch" (Cressida) nicht abzuwenden ist. In Shakespeares Trauerspiel "Troilus und Cressida" hat das Wiener Unterhaltungstheater (W.U.T.) den Ilias-Stoff ideal verarbeitet gefunden, um in satirischer Weise den Krieg ad absurdum zu führen. Diesmal ganz à la Sommertheater: Einem der vielen Höfe des noch stehenden Kabelwerks erweist der Überraschungstrupp mit seiner "Mobilmachung" (Untertitel) die letzte Ehre und spielt die "Liebes-Belagerung" als Pazifisten-Musical. Wir haben von Regisseur Anselm Lipgens schon Besseres gesehen:

Da die Sänger (Konservatorium) nicht singen können, spielen die W.U.T.-Schauspieler ihre Königsrollen als Blues: Michael Aichhorn, ein Trojaner unterm Raubtierkopf, Hagnot Elischka als Sabber-Agamemnon. Ihren Krieg überlassen sie gern anderen. Nur die Frauen eben nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2002)

Von
Margarete Affenzeller

Service

Kabelwerk
Oswaldgasse 33-35
1120 Wien
0676/ 341 75 48
Bis 13. 7.
20:30 Uhr

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