Wiener Kulturbudget gesunken

25. Juni 2002, 20:47
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Mailaths Bericht für 2001: Weniger Geld, aber höhere Subventionen

Wien - Andreas Mailath-Pokorny bestellte, seit er Wiener Kulturstadtrat ist, unter anderem - um die wichtigsten Positionen zu nennen - Hans Gratzer zum Direktor des Theaters in der Josefstadt, Karl Welunschek (Rabenhof), Thomas Birkmeier (Theater der Jugend) und Gerald Szyszkowitz (Freie Bühne Wieden). Im eben veröffentlichten Kunst-und Kulturbericht der Stadt Wien liest sich die Besetzungspolitik aber ein wenig anders: Entsprechend einem "emanzipatorischen Anliegen" seien "72 Prozent aller neuen Positionen im Theater-, Museums-, Wissenschafts-und Forschungsbereich mit Frauen besetzt" worden.

Entsprechend diesem "emanzipatorischen Anliegen" beinhaltet die Broschüre erstmals auch einen 53-seitigen "Frauenkunstbericht": Kritisch wird das "Nicht-Vorkommen von Frauen im kulturellen Feld" hinterfragt. Laut Karin Rick, der Autorin, ließe sich eben nicht leugnen, dass in "fast allen großen oder mittelgroßen Kulturbetrieben Männer mit der künstlerischen Leitung betraut" seien.

Sie versucht aber dennoch, Positives zusammenzutragen: "Frauen waren mit erfreulichen 33 Prozent im Direktorium" der Wiener Festwochen vertreten. Stimmt, es war eine Frau vertreten: Hortensia Völckers. Und "schon seit geraumer Zeit" würden Frauen Privattheater leiten: Helga Illich die Gruppe 80, Ulrike Kaufmann das Odeon. Dass die beiden diese Bühnen aber nicht allein, sondern "nur" zusammen mit ihren Lebenspartnern leiten, wird jedoch dezent verschwiegen.

Ansonsten birgt der Kunstbericht wenig Überraschungen: Zwischen 1998 und 2000, also unter Kulturstadtrat Peter Marboe, waren die Gesamtausgaben von 153,76 Millionen Euro auf deren 171,39 gestiegen, im letzten Jahr sanken sie auf 162,28 Millionen. Dafür gibt es einen Grund: Die Kosten für das Mahnmal am Judenplatz wie die Errichtung der städtischen Institutionen im Museumsquartier sanken erheblich. Das Kulturamt hatte daher 153,56 Millionen Euro (statt deren 143,82 im Jahr zuvor) zur Verfügung.

Dieses Mehr an Fördergeldern war auch bitter nötig - um die Subbventionskürzungen des Bundes abzumildern. Was nicht gelang, wie Mailath in seinem Bericht eingesteht: "Die restriktive Kulturpolitik des Bundes hat dem Wiener Kultur- und Geistesleben großen Schaden zugefügt."

Die Grünen ziehen daher ein nüchternes Resümee: "Das SP-Gegenmodell zur schwarz-blauen Kulturpolitik ist abgesagt." Marie Ringler, die Kultursprecherin, stört besonders die "unappetitliche" indirekte "Parteienfinanzierung": Für die Stadt- und Donauinselfeste habe Mailath 1,3 Millionen Euro mehr springen lassen als im Voranschlag, noch von Marboe erstellt, vorgesehen. (Thomas Trenkler /DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2002)

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