Düriegl könnte Personalchef bleiben

24. Juni 2002, 20:46
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Die nächste kulturpolitische Groteske kündigt sich an

Wien - Nach den viel diskutierten Bestellungen der Theaterdirektoren Hans Gratzer und Karl Welunschek dräut die nächste kulturpolitische Groteske in Wien: Günter Düriegl, seit 15 Jahren Direktor des Historischen Museums, könnte, auch wenn er Ende März 2003 auf Wunsch von Kulturstadtrat Andreas-Mailath Pokorny abgelöst wird, als Beamter Leiter der Magistratsabteilung 10 bleiben. Diese ist zwar seit der Ausgliederung der Anstalt vor einem halben Jahr nicht mehr für die inhaltlichen Belange zuständig, sehr wohl aber für die personellen. Und das Museum hat derzeit rund 130 Mitarbeiter.

Den Personalchef zu geben will sich Düriegl eigentlich "nicht antun", wenn er unerwünscht sei. Er habe aber nicht vor, "zuzuschauen, wie man dieses Institut kaputtmacht". Konkret geht es ihm um eine Studie, die von Kunsthallendirektor Gerald Matt, dessen Kurator Thomas Mießgang und dem Historiker Siegfried Mattl in Mailaths Auftrag erstellt wurde. Denn sie stellt dem Museum ein schlechtes Zeugnis aus: Es habe ein "schwaches Profil", die Präsentationen seien "konzeptlos und defizient".

Düriegl akzeptiert die Autoren nicht als "Experten", da sie "keine Museumsfachleute" seien, und ärgert sich über seiner Meinung nach tendenziöse Darstellungen. Er hätte jedoch zur Kenntnis nehmen müssen, dass das Kuratorium den Bericht den Bewerbern übermittelt habe. Dies stelle eine "sehr weit gehende Interpretation der Aufgaben des Kuratoriums" da: Er hätte es lieber gesehen, wenn das Museum "vor ungerechtfertigten Angriffen" geschützt würde.

Die Grünen bringen daher heute, Dienstag, insgesamt sechs Anträge in den Gemeinderat ein. Sie fordern die Erstellung eines kompletten Inventars (das es laut Düriegl gibt), die Personalhoheit für den künftigen Direktor und mehr Transparenz beim Bestellungsverfahren: Die Kandidaten, die vom Kuratorium in Betracht gezogen werden, sollen sich dem Kulturausschuss einem Hearing stellen müssen. Die Bewerbungsfrist endet am 12. Juli. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2002)

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