Theater der Holprigkeit

25. Juni 2002, 19:55
posten

Uraufführung eines mittelprächtigen Jazzmärchens an der Wiener Volksoper

Wien - Faszinierend war eigentlich nur die Geduld der jungen Besucher. Man blickt und wartet, doch nichts - weit und breit keine eindeutigen Zeichen von Rebellion oder zumindest Unruhe. Ob diese Disziplin im Warten auf jenen Augenblick begründet war, da man die Papiermonster-Maske endlich aufsetzen durfte, um den notorisch furchtlosen Felix zu schrecken, oder an der erschöpfenden Hitze, war schwer zu sagen.

Eher leicht zu sagen: Felix oder die Geschichte von einem, der auszog, das Gruseln zu lernen, das Jazzmärchen von Max Nagl und Klaudia Kadlec (auch Regie), ist ein weder librettomäßig noch inszenatortisch besonders flottes Geschichtchen. In der für eine Uraufführung bedenklich ungefüllten Volksoper geht alles seinen bieder-braven Lauf, und irgendwie lag das auch an der Musik.

Als eine Art Collage aus jazzigen Momenten, stilisierten Tänzen und Minimal Music führt sie ein instrumentales Eigenleben (man könnte eine kurzweilige Suite daraus machen) und zeugt zwar vom Ideenreichtum Max Nagls, der es schafft, aus bekannten Stilen Originelles herauszukitzeln. Da die Musik (Dirigent: Rick Stengards) jedoch nicht durchkomponiert ist und nur witzige Nummern aneinander reiht, hilft sie der Geschichte ebenfalls nicht auf die Musiktheaterbeine.

Verhängnisvoll auch, dass die Melodien, die sich auf der Bühne entfalten, ein bisschen an Alban Berg erinnern, während die melodiösen Kleinodien für das Orchester reserviert waren. Sicher: Bruder Heinrich, auch Moderator des Abends (Dennis Kozeluh), sorgte für etwas Munterkeit.

Adrian Eröd, dem man an sich als intensiven Bühnenmenschen kennt, bleibt aber (als Felix) energielos wie der ganze schlappe Abend. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2002)

Share if you care.