Putin spricht von "Tragödie" in Tschetschenien

24. Juni 2002, 18:18
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Russischer Präsident weist "russischer Zentralregierung" die Schuld zu

Moskau - Zum ersten Mal seit dem russischen Einmarsch in Tschetschenien vor knapp drei Jahren hat Präsident Waldimir Putin von einer "Tragödie" in der abtrünnigen Kaukasus-Republik gesprochen. Dafür seien nicht die Tschetschenen verantwortlich, räumte Putin auf seiner Jahrespressekonferenz vor 680 Journalisten im Kreml ein. Schuld sei vielmehr die russische Zentralregierung.

Moskau habe es zu lange versäumt, die Interessen der Bevölkerung zu verteidigen, sagte Putin mit Blick auf seinen Vorgänger Boris Jelzin. Davon hätten Extremisten profitiert. Die in Tschetschenien gefürchteten Militärrazzien sollten bis zum Ende des Jahres eingestellt werden, sobald die Sicherheit in der Republik gewährleistet sei. Im Oktober 1999 hatte Putin noch einen zeitlich begrenzten Militäreinmarsch in Aussicht gestellt.

Zwei Tage vor seiner Abreise zum G-8-Gipfel mit den sieben führenden Industrienationen in Kanada verteidigte Putin zudem seine Annäherung an den Westen. Entwicklung sei ohne offene Märkte nicht möglich, sagte Putin an die Adresse von Kritikern im eigenen Land. Fruchtbare internationale Beziehungen seien direkt mit dem Außenhandel verknüpft. Er drang erneut auf einen Beitritt Russlands in die Welthandelsorganisation bis 2004. Die Annäherung Russlands vor allem an die USA nach dem 11. September war in der Kommunistischen Partei und in Teilen des Militärs auf Kritik gestoßen.(APA)

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