Der Weg ist das Ziel

24. Juni 2002, 18:52
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Soll noch einer sagen, Postbusfahrer suchen keine Herausforderungen - Von Michael Moravec

Rund 500.000 Fahrgäste der gelben Postbusse müssen sich - vorerst zwei Tage lang - nach alternativen Verkehrsmitteln umsehen. Die Postbusse stehen oder werden im Schritttempo versuchen, auch andere Verkehrsteilnehmer zu behindern oder gar ganze Straßenzüge zu blockieren. Auch in anderen postnahen Betrieben wie der Telekom Austria soll es "Informationsveranstaltungen" und "Störaktionen" geben.

Die gestressten Fahrer der Busse wollen damit gegen die Fusion mit den Bahnbussen und einen Verkauf von 30 Prozent des neu entstehenden Unternehmens an österreichische Private protestieren. Sie wollen auf ein paar kleine Forderungen aufmerksam machen: etwa das Recht, sich den Eigentümer ihres Arbeitgebers selbst auszusuchen. Oder: eine Arbeitsplatzgarantie - kaum der Rede wert - bis 2007. Es sind ja nur schlappe 70 Prozent der Fahrer unkündbare Beamte. Wär' ja noch schöner, wenn Busfahrer, die ohne Fahrgäste durch die Gegend brausen, plötzlich zu anderen Strecken oder gar zu anderen Tätigkeiten verdonnert würden. Der Weg ist das Ziel. Dass mit den strukturell bedingten hohen Verlusten die flächendeckende Nahverkehrsversorgung erschwert wird, ist kaum der Rede wert.

Vermutlich unter der drückenden Hitze der vergangenen Tage entstand dann noch eine andere geniale Idee der Gewerkschaft: Der teilweise Verkauf an österreichische Private wird abgelehnt, eigentlich müsste das Ganze ja EU-weit ausgeschrieben werden. Notfalls will die Gewerkschaft die Ausschreibung vor dem Europäischen Gerichtshof erzwingen. Das kann nur heißen: Dem Betriebsrat ist mit der derzeitigen laschen Führung sterbenslangweilig geworden. Nun will er sich mit wirklich harten internationalen Konzernen anlegen. Soll noch einer sagen, Postbusfahrer suchten keine Herausforderungen. (DER STANDARD, Printausgabe 25.6.2002)

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