"Le Matin" in der Krise

24. Juni 2002, 17:56
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Gemischte Gefühle beim schweizer Boulevard-Blatt gegenüber Chefredakteur

Vier Monate nach der Ankunft von Chefredakteur Peter Rothenbühler steht die Redaktion der Schweizer Boulevard-Zeitung "Le Matin" nur zum Teil hinter ihrem neuen Chefredakteur. Bei einer internen Abstimmung sprach ihm nur eine knappe Mehrheit das Vertrauen aus.

39 Redaktionsmitglieder legten bei der Vertrauensfrage ein Ja in die Urne, 35 ein Nein, 20 enthielten sich der Stimme. Rothenbühler wollte das der Nachrichtenagentur sda vorliegende Resultat am Montag nicht kommentieren.

Nicht eindeutig zu interpretieren

Für Kulturchef Christophe Fovanna ist die Abstimmung nicht eindeutig zu interpretieren. Die Misstrauensvoten könnten auch als Rückweisung der neuen Formel der auflagenstärksten Westschweizer Tageszeitung verstanden werden.

Das Grundproblem liege in der geforderten Entwicklung zu einer "volksnaheren" Zeitung, sagt ein Redaktionsmitglied, das anonym bleiben möchte. Die Journalisten seien dafür nicht ausgebildet, und viele fühlten sich in dieser Art von Zeitung unwohl, weil sie Substanzverlust befürchteten.

Die Abstimmung dürfte aber keine Konsequenzen auf die Linie des Edipresse-Titels haben. Laut dem Verlag kommt die neue Formel - Tabloid-Format und mehr People-Themen - gerade bei Jungen sehr gut an. Die Auflage wurde innerhalb eines Jahres um zwei Prozent gesteigert. (APA/dpa)

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