Del Ponte gegen Haftverschonung für Mitangeklagte von Milosevic

24. Juni 2002, 17:00
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Chefanklägerin des Haager Tribunals attackiert Jugoslawien: "Jeder weiß, dass sich Mladic in Serbien aufhält"

Den Haag - Die Chefanklägerin beim UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, Carla Del Ponte, hat am Montag dem Antrag von zwei Mitangeklagten des jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic auf Haftverschonung heftig widersprochen. Die Vernehmungen des früheren Vize-Ministerpräsidenten Nikola Sainovic und des ehemaligen Generalstabschefs Dragoljub Ojdanic seien noch nicht abgeschlossen, wandte sie bei einer Anhörung über den Antrag ein. Das Gericht vertagte seine Entscheidung. Del Ponte attackierte bei der Anhörung auch den anwesenden stellvertretenden jugoslawischen Justizminister Nebojsa Sarkic.

Der Politiker hatte Garantien seiner Regierung angeboten und versichert, dass die beiden Angeklagten, die sich selbst gestellt hatten, notfalls mit Gewalt nach Den Haag zurückgebracht würden. Del Ponte rügte, dass die oft angemahnte Zusammenarbeit Belgrads mit dem Tribunal noch immer viele Wünsche offen lasse.

Dies zeige sich auch am Beispiel des bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic. "Jeder weiß, dass sich Mladic in Serbien aufhält", warf sie Sarkic vor und kritisierte, dass der General noch nicht festgenommen und ausgeliefert worden sei. Mladic und der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic sind die prominentesten Angeklagten des Tribunals, die sich bisher dem Zugriff des Tribunals entzogen haben. Ihnen werden schwere Verbrechen im Bosnienkonflikt vorgeworfen.

Für den Aufenthalt Mladics in Serbien gebe es keinen Beweis, hielt Sarkic der Behauptung der Anklägerin entgegen. Wenn dies wirklich zuträfe, würde Mladic sofort festgenommen, versicherte der Vize-Minister.(APA/dpa)

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