"Ich denke, also bin ich" stammt von...

26. Juni 2002, 15:48
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Wissen der Europäer über EU teilweise mit großen Lücken - Österreich auf Rang vier

Stuttgart/Wien - Die Bürger im Nicht-EU-Land Polen wissen ab besten über Europa Bescheid, während sich bei den Portugiesen gravierende Wissenslücken auftun. Das ergab eine am Montag in Stuttgart veröffentlichte Umfrage des Magazins "Reader's Digest", das rund 4000 Menschen in 19 europäischen Ländern befragte. Österreich kommt auf Rang vier, Deutschland auf Rang sechs im Ländertest, bei dem Kenntnisse aus Politik, Kultur, Geografie, Geschichte und Naturwissenschaften abgefragt wurde.

Knapp die Hälfte kennt Präsident der EU-Kommission

Nur knapp 52 Prozent der befragten Europäer wussten laut Umfrage, dass der ehemalige italienische Ministerpräsident Romano Prodi Präsident der EU-Kommission ist. In Deutschland nannten gar nur 35 Prozent den richtigen Namen, in Österreich waren es 69 Prozent . Auch wissen nur gut 57 Prozent der Europäer, dass Ludwig van Beethoven die Ode an die Freude komponiert hat, die Hymne der Europäischen Union ist.

In zwei Fällen schafften die Deutschen immerhin den Sprung über die 90-Prozent-Marke: Jeweils 92 Prozent wussten, dass Aphrodite die Göttin der Liebe ist und dass das Märchen Hänsel und Gretel von den Brüdern Grimm stammt. In einigen Fällen kamen die Deutschen bei der richtigen Beantwortung der Fragen auf über 80 Prozent, etwa bei der Nennung des höchsten Berges in Europa und dem Jahr des Mauerfalls. Damit lagen sie weit über dem europäischen Durschschnitt.

Polen klar auf Platz eins, Portugal am letzten Platz

In der Rangliste belegten die Polen insgesamt mit durchschnittlich 15,44 richtigen Antworten klar Platz eins vor Dänemark (14,58) und Italien (14,45). Deutschland kam auf einen Wert von 13,80 richtig beantworteten Fragen. Ganz unten rangieren die Slowakei, Großbritannien und Portugal, das als einziges Land einen Schnitt von unter zehn Richtigen (9,55) erreichte. Insgesamt schnitten die Männer besser ab als die Frauen, außer in Russland und Norwegen.

Dafür gab es an anderer Stelle eine deutliche Wissenslücke - nämlich bei der Frage: "Wer sagte: Ich denke, also bin ich"? In diesem Fall konnten die Testpersonen - in jedem Land waren das rund 200 - zwischen Voltaire, Immanuel Kant und Rene Descartes wählen. Das Ergebnis: Im europäischen Durchschnitt kannte nur knapp jeder Zweite (49,8 Prozent) die richtige Lösung Descartes, in Österreich tippten gar nur 37,5 Prozent auf diesen Namen.

Insgesamt zeigten die österreichischen Kandidaten aber ein hohes Maß an europäischer Sachkunde. Besonders bemerkenswert: Bei sechs Fragen wurde ein Ergebnis von über 80 Prozent erreicht, acht von zehn befragten Österreichern kannten da also die richtige Antwort. So votierten auf die Frage "Wer schrieb Hänsel und Gretel" immerhin 86 Prozent für die Lösung "Brüder Grimm", während im Europa-Durchschnitt nur 57,2 Prozent die richtige Antwort gaben. Ähnlich überzeugend wurde auch bei zwei anderen Komplexen geantwortet. Sowohl auf die Frage "Wie heißt der höchste Berg Europas?" (Mont Blanc) als auch bei der Frage "Aphrodite war die Göttin der ..." (Liebe) kamen die Österreicher auf jeweils 83,5 Prozent.

Stärken und Schwächen

Wo aber liegen die Stärken und Schwächen der anderen Länder in diesem Europa-Test? So gehen über die Hälfte der Briten davon aus, dass Frankreich oder ihr Land selbst die bevölkerungsreichste Nation in Europa ist, in Wahrheit ist es aber Deutschland. Auch bei der Frage "In welchem Land ist die Mobiltelefonfirma Nokia zu Hause?" zeigte die Mehrheit der Befragten wenig Allgemeinbildung. Zwei Drittel der Spanier und Franzosen wussten darauf keine Antwort. Nur die Finnen nutzten zu 99,5 Prozent das Heimspiel, immerhin hat Nokia seinen Firmensitz in ihrem Land.

Für seinen Europa-Test hatte Reader's Digest in jedem der 19 Länder, in dem die Zeitschrift erscheint, rund 200 Personen quer durch alle Altersgruppen (18 bis 35, 36 bis 50 sowie 51 und älter) und je zur Hälfte Männer und Frauen in einer Straßenumfrage angesprochen. Insgesamt schnitten die Männer besser ab als die Frauen - außer in Russland und Norwegen. In der Schweiz lagen beide Geschlechter gleichauf. Der Durchschnittswert des Europa-IQ aller 19 beteiligten Länder beläuft sich immerhin auf 13 richtige Antworten. "Dies macht deutlich, dass wir Europäer allen Unterschieden zum Trotz schon heute ein breites gemeinsames Wissen und Verständnis füreinander haben", so Chefredakteur Andreas Scharf. "Dies zu vertiefen, daran wird Reader's Digest weiter arbeiten."(APA)

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