Migrationsreport: Mehr als 700.000 Zuwanderer bei EU-Erweiterung

24. Juni 2002, 16:21
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Experten: Arbeitgeber illegaler Einwanderer Teil des Problems

Berlin - Zwischen 700.000 und 900.000 Menschen in Mittel- und Osteuropa wollen nach Erkenntnissen von Migrationsexperten nach Westeuropa auswandern. Mit der EU-Osterweiterung würden sie die Freizügigkeit nutzen, um in die "alten" EU-Staaten zu kommen, heißt es in einer am Montag in Berlin vorgestellten Trendanalyse des Migrationsreports 2002. Das hätten Umfragen in Tschechien, der Slowakei, Polen und Ungarn ergeben, erläuterte einer der Herausgeber des Reports, der Bevölkerungswissenschaftler Rainer Münz.

Berechnungen hätten ein Wanderungspotenzial aus den vier östlichen Ländern nach Westen von insgesamt etwa vier Millionen Menschen ergeben, führte Münz weiter aus. Diese Zahl umfasse alle Menschen, die bei ihrer Befragung angegeben hätten, schon einmal an Auswanderung gedacht zu haben. In Umfragen hätten die potenziellen Migranten vor allem Schweden, Deutschland, Österreich, die Schweiz und Italien als Ziele angegeben. Langfristig sei der demografische Trend in den mittel- und osteuropäischen Staaten aber negativ: Mit den kleiner werdenden nachrückenden Generationen werde die Abwanderung aus diesen Ländern abebben, prognostizierte Münz.

Auch die Frage der illegalen Einwanderung werde in der Europäischen Union in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, sagte die deutsche Bundesausländerbeauftragte Marieluise Beck (Grüne). "Der Wanderungsdruck auf das wohlhabende, reiche Europa" werde zunehmen. "Es hat keinen Zweck, Migranten zu kriminalisieren," sagte Klaus Bade, Mitherausgeber des Reports, mit Blick auf die Illegalen. Er erinnerte an die "Tatsache, dass hinter jedem illegalen Arbeitnehmer auch ein illegaler Arbeitgeber steht". Der Arbeitgeber sei Teil des Problems.

Beck forderte eine umfassendere Lösung statt lediglich die Abschottung Europas gegen illegale Einwanderung. Als Beleg für das Scheitern der Abschottungsstrategie verwiesen die Wissenschaftler auf die USA. Dort sei in den 90er Jahren so viel Geld wie nie zuvor für die Bewachung der Südgrenze zu Mexiko ausgegeben worden, dennoch seien noch nie so viele Illegale ins Land gekommen.(APA)

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