Sieger auf der Durststrecke

24. Juni 2002, 16:11
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"Wer zu faul ist zum Gießen, der pflanze Wasserrosen", soll der deutsche Gärtner Karl Foerster (1874-1970) einmal gesagt haben. Wenn aber nicht Faulheit die Ursache dafür ist, dass der Mensch seine Pflanzen nicht regelmäßig wässert - was dann?

Die Temperaturen der vergangenen Tage haben uns am eigenen Leib erfahren lassen, wie viel Flüssigkeit Lebewesen bei großer Hitze (ver)brauchen. Allerdings benötigt nicht jeder gleich viel. Wer also weiß, dass sein Garten auf regelmäßiges Gießen verzichten muss, sollte von vornherein Pflanzen aussuchen, die solche Durststrecken verkraften können.

Vor allem Gewächse, die aus Steppen, Wüsten und kargen, felsigen Gegenden stammen, haben mit hohen Temperaturen und langen Trockenperioden meist wenig Probleme. Die Steppenkerze gehört, wie ihr Name schon vermuten lässt, zu solchen Sonnenkindern, ebenso die Edeldistel, die Schafgarbe, die Moschus-Malve und die Duftnessel.

Lilien, Fetthennen und Sonnenhut

Viele Lilien entfalten trotz sengender Hitze leuchtend bunte Blüten, zum Beispiel die violette Schwert- und die orangefarbene Fackellilie, die gelbe Junker- und die weiße Palmlilie.

Auch typische Steingartenpflanzen wie die Fetthenne mit ihren wachsartigen, Knubbelblättern, der silbrig-grau behaarte Wollziest, der Rote Sonnenhut, der babyblaue Bleiwurz und die weiße Berg-Aster zählen zu den robusten Pflanzen, die den Garten nicht nur mit bunten Blüten verzieren, sondern auch Schmetterlinge und Bienen anlocken.

Geheimtipp Gräser

Zu den pflegeleichtesten Anlagen gehören Gräsergärten, die entgegen der landläufigen Meinung durchaus farbenfroh gestaltet werden können: Bei Blaustrahlhafer, Blauschwingel oder Liebesgras sind es die Halme selbst, die interessante Farbnuancen aufweisen; bei anderen Sorten sorgen die Blüten im Frühjahr (Orientalisches Lampenputzergras in Zartrosa) oder die Verfärbung im Herbst (Rutenhirse in Feuerrot) für bunte Vielfalt im Garten.

Geradezu als Joker fungieren Chinaschilfsorten, die bei steigenden Temperaturen zu Höchstform auflaufen und dennoch bis in den Winter hinein dekorativ bleiben. Ein Must ist auch Moskitogras mit seinen auffälligen Blüten, das aus der nordamerikanischen Prärie kommt und trockene, magere Böden liebt. Für alle Gräser gilt allerdings, dass sie nach Möglichkeit im Frühling gepflanzt werden sollten, da sie im Herbst weniger gut anwachsen.

Sträucher, die in heißen, nährstoffarmen Regionen wie etwa auf griechischen Inseln gedeihen, eignen sich ebenso für hiesige Gärten: z. B. Ginster, Sanddorn oder Tamariske. Auch Rosen - vor allem alte Sorten, die nur einmal blühen, aber auch Kletter- und Wildrosen - kommen mit wenig Feuchtigkeit oft besser zurecht als mit zu viel: Besonders Staunässe verzeiht keine Rose, und die Blütenblätter werden bei Nässe oft faulig-braun. (Auch um Pilzkrankheiten zu vermeiden, sollten Rosen stets unten an der Wurzel gegossen werden.)

Natürlicher Schutz

Wie die Rosen sind viele genügsame Pflanzen Tiefwurzler, die selbst aus großer Tiefe noch Feuchtigkeit aufsaugen können. Um unnötige Verdunstung zu vermeiden, schützen sie sich oft mit harten Blättern oder silbrigen Härchen, ducken sich an den Boden oder verharren überhaupt darin: Während der Sommerhitze ist Wachstum Luxus - und wird weitestgehend eingestellt. (Marie-Therese Gudenus/DER STANDARD, Printausgabe vom 22./23.6.2002)

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