Wurst-Prozess: Belastende Videos

24. Juni 2002, 15:45
posten

Bänder bestätigen Eindeutigkeit der sexuellen Belästigung

Klagenfurt - Der der Anstiftung zum Mord und des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen angeklagte Kärntner Kinderarzt Franz Wurst (82) musste am Montag am Landesgericht Klagenfurt ohne seinen Verteidiger auskommen. Rechtsanwalt Helmut Sommer ließ sich wegen Untersuchungen entschuldigen.

Richter Wilfried Kirchlehner führte den Geschworenen "der Fairness wegen" Videos vor, obwohl sich Sommer von seinem Kanzleipartner Felix Fuchs vertreten ließ. Die Filme sollten den Laienrichtern zeigen, wie kontradiktorische Einvernahmen verlaufen.

Video-Aufnahmen

Ein heute 30-jähriger Elektriker berichtete auf einem der Bänder dem Untersuchungsrichter von seinen Erlebnissen mit dem angeklagten Arzt: "Mir war Wursts Getue bei Untersuchungen unangenehm. Die Prozedur verlief keineswegs so, wie ich es von anderen Ärzten gewohnt war. Er spielte an mir herum, streichelte und massierte mich. Dazu hat Wurst gesagt, er müsse alles genau kontrollieren." Staatsanwalt Gottfried Kranz hat diesen Fall jedoch nicht in die Anklage aufgenommen. Begründung: "Weil bei dem Buben damals tatsächlich Hodenabnormitäten festgestellt wurden, kann man nachträglich schwer feststellen, ob diese Behandlung medizinisch notwendig war."

Verjährung

Kirchlehner erklärte den Geschworenen, dass die Verjährungszeit für sexuellen Missbrauch fünf Jahre beträgt. Der Richter: "Kommt in dieser Zeit ein weiterer Fall dazu, beginnt die Frist erneut zu laufen. Die Anklage ist so gestaltet, dass keiner der 18 Fälle verjährt ist." Richterin Michaela Wietrzyk ergänzte: "Von den 18 Zeugen zum Missbrauchsvorwurf haben wir bereits 15 gehört."

Schoko-Belohnung

Ein anderes mutmaßliches Missbrauchsopfer Wursts hatte dem Gericht erzählt, er wäre begrapscht und für die Duldung von Wurst mit Schokolade belohnt worden. Er schloss seine vom Gericht aufgezeichneten Ausführungen mit dem Satz: "Wurst hat so lieb mit Kindern umgehen können. Ich glaube, niemand hat gesehen, dass in diesem Menschen zwei Seelen wohnen." (APA)

Share if you care.