Simbabwe: Fast 3.000 weiße Farmer müssen Arbeit einstellen

25. Juni 2002, 19:46
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Landwirte widersetzen sich dem Enteignungsgesetz Mugabes - Britischer Außenminister warnt vor "menschlicher Tragödie"

Harare - Für fast 3.000 weiße Farmer in Simbabwe ist am Montag eine Frist zur Bewirtschaftung ihrer Ländereien abgelaufen. Laut einem im Mai verabschiedeten Gesetz zur Landreform müssen sie in spätestens 45 Tagen ihre Farmen verlassen. Dann soll ihr Land an Schwarze übergeben werden. Nach Angaben des Bauernverbands CFU sind von den Enteignungen rund 2.900 weiße Grundbesitzer betroffen, etwa 60 Prozent aller weißen Farmer; die Regierung in Harare sprach von zehn Prozent. Laut CFU-Sprecherin Jenni Williams widersetzten sich die meisten Betroffenen am Montag der Anordnung. Gewaltsame Reaktionen von Regierungsanhängern - wie allgemein befürchtet - blieben jedoch zunächst aus.

"Viele werden weitermachen"

"Viele werden weitermachen. Sie können doch nicht einfach alles stehen- und liegenlassen", sagte CFU-Sprecherin Williams. "Wir müssen durchhalten und sehen, was dann passiert." Nach einem Bericht der staatlichen Zeitung "Herald" hatten einige Tabak-Farmer noch vergeblich versucht, eine Sondergenehmigung für den Verbleib auf ihren Höfen bis zur nächsten Saison zu beantragen. Ihr Antrag sei abgewiesen worden. Allen Grundbesitzern, die sich der Frist widersetzen, droht eine zweijährige Haftstrafe oder ein Bußgeld von umgerechnet fast 400 Euro.

Beschluss der Landreform

Die Regierung des diktatorisch regierenden simbabwesischen Präsidenten Robert Mugabe hatte vor zwei Jahren eine Landreform beschlossen, wonach die meisten Güter von weißen Farmern, in deren Besitz rund 70 Prozent der fruchtbarsten Ländereien sind, an landlose Schwarze übereignet werden sollten. Die Reform wurde von schwerer Gewalt begleitet. Anhänger Mugabes besetzten gewaltsam Ländereien. Dabei wurden zwölf weiße Farmer getötet, 70.000 Landarbeiter verloren ihre Arbeit. Von der Frist am Montag waren laut CFU neben den 2.900 Grundbesitzern weitere 232.000 Landarbeiter betroffen.

Die Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) entsandte unterdessen ein Team nach Simbabwe, um Berichten über fortgesetzte Menschenrechtsverletzungen in dem südafrikanischen Land nachzugehen. Nach Angaben von amnesty international kam es vor allem vor der Wiederwahl Mugabes zum Präsidenten zu zahllosen, von der Regierung unterstützten Gewalttaten. Allein in diesem Jahr wurden mindestens 55 Menschen nachweislich bei politisch motivierter Gewalt getötet. Die Vereinten Nationen hatte im April mit den Stimmen zahlreicher afrikanischer, asiatischer und arabischer Staaten einen Antrag der EU knapp abgelehnt, UNO-Experten zur Untersuchung möglicher Menschenrechtsverletzungen nach Simbabwe zu entsenden.

Britischer Außenminister warnt vor "menschlicher Tragödie"

Der britische Außenminister Jack Straw hat den simbabwesischen Präsidenten Robert Mugabe wegen der Vertreibung weißer Farmer vor einer "menschlichen Tragödie" gewarnt. Angesichts der drohenden Hungerkatastrophe in dem südafrikanischen Land sei es "außerordentlich und verwerflich", Bauern und Farmarbeiter zu vertreiben, sagte Straw vor dem britischen Unterhaus. Die Nahrungsknappheit sei keine Folge von Dürre, sondern von "freiwilligen Entscheidungen des Regimes von Mugabe".

Simbabwes einziger Weg aus der Katastrophe sei "die Rückkehr des Rechts, ein Ende politischer Gewalt, ein Ende der Einschüchterungen und Verhaftungen von Journalisten, eine Rückkehr zu demokratischer Legitimität und die Verabschiedung einer glaubhaften Wirtschaftspolitik", erklärte Straw. (APA)

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