Ex-Käpt'n rettet sinkendes Schiff

26. Juni 2002, 16:44
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Mitgründer Herdlicka übernimmt KPNQwest Austria und verwandelt sie in "EUnet" zurück

Wien - Knapp zweieinhalb Wochen nachdem die österreichische Tochter von KPNQwest aufgrund der Insolvenz des internationalen Konzerns Konkursantrag stellte, wurde der heimische Internetprovider an Global Equity Partners (GEP), einen Risikokapitalgeber, sowie die Volksbank Investmentbank AG verkauft. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben; kolportiert wird eine Summe von elf bis 14,5 Mio. Euro. Die Anteile wurden im Verhältnis zwei Drittel GEP - ein Drittel VB Investmentbank aufgeteilt.

Als vorübergehender Geschäftsführer wird Herbert Herdlicka von GEP die Restrukturierung von KPNQwest übernehmen. Herdlicka bringt dafür gute Voraussetzungen mit: 1992 zählte er zu den Mitgründern von EUnet, Österreichs erstem kommerziellen Internetprovider, der 1998 zusammen mit den anderen EUnet-Gesellschaften mit KPNQwest fusio- nierte.

Herdlicka war die treibende Kraft hinter dem Übernahmeangebot von GEP. Aufgrund seiner Kenntnis des Unternehmens sei eine Bewertung in zehn Tagen möglich gewesen, was zur Erhaltung des Kundenstocks und für das Überleben der Firma entscheidend gewesen sei, erklärte er am Dienstag.

Sanierungsaussichten erfolgsversprechend

Die Firma wird rückwirkend mit 7. Juni (Konkurstag) übernommen und soll künftig wieder EUnet heißen, so dies rechtlich möglich ist. Der neue Eigentümer hat zwar die Namensrechte übernommen, aufgrund der Verwendung von "EU" im Namen seien jedoch Einsprüche denkbar. Die Sanierungsaussichten seien erfolgversprechend, da KPN- Qwest Austria Cashflow-positiv gewesen sei und nur aufgrund der internationalen Insolvenz selbst in Konkurs gehen musste. Zuletzt habe KPNQwest einen Jahresumsatz von 25 Mio. erwirtschaftet und bei Geschäftskunden einen Marktanteil von 17 Prozent gehalten. 62 Unternehmen von Österreichs Top 100 und 40 Prozent der Top 500 seien KPNQwest-Kunden. Der neue Eigentümer übernimmt 15.000 Kunden. "Relativ wenige haben gewechselt", sagte Herdlicka, die Zahl der Kündigungen sei zuletzt nur etwa "doppelt so hoch wie im Normalfall" gewesen. Im "worst case" wolle die neue AG in den nächsten zwölf Monaten 14 Mio. , im "best case" bis 20 Mio. Umsatz machen.

Die neue EUnet wird alle Aspekte des Internetgeschäfts vom Hosting bis zu Leitungen in Österreich von der insolventen Firma übernehmen so- wie rund 50 der 91 Mitarbeiter. Nicht übernommen werde das internationale Leitungsgeschäft; sollten die derzeitigen internationalen Euroring-Leitungen von KNPQwest abgeschaltet werden, habe man zwei Ersatzleitungen, von denen jede die Kapazität der jetzigen Euroring-Verbindung habe, erklärte Herdlicka. (spu)

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