Mobilcom könnte bei Übernahme durch FT Kerngeschäft verlieren

25. Juni 2002, 18:55
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Deutsche Mobilfunkbetreiber haben bei Eigentümerwechsel Kündigungsrecht für Dienstleistungsverträge mit Mobilcom

Der deutsche Mobilfunk-Dienstleister Mobilcom könnte bei der von France Telecom (FT) angestrebten Mehrheitsübernahme sein Kerngeschäft mit der Vermittlung von Mobilfunkverträgen verlieren. Diese Gefahr besteht nach Angaben von T-Mobile, weil die Mobilfunknetzbetreiber bei einem mehrheitlichen Eigentümerwechsel bei Mobilcom ein Kündigungsrecht für die Vermarktungsverträge für Mobilfunkgeräte und- karten haben. Ein Sprecher des in Deutschland marktführenden Netzbetreibers T-Mobile sagte am Dienstag in Bonn, bei einem Eigentümerwechsel ändere sich die Vertragsgrundlage. T-Mobile könne entweder die Übernahme billigen oder den Dienstleistervertrag kündigen. Dann müsse Mobilcom die rund zwei Millionen für das T-Mobile-Netz angeworbenen und betreuten Kunden wieder abgeben.

Zerstritten

Die ehemaligen Partner France Telecom und die T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom hatten sich im Jahr 2000 zerstritten und treten seitdem als Konkurrenten auf.

Bei Mobilcom war zunächst kein Sprecher für eine Stellungnahme zu erreichen. Eine Sprecherin von E-Plus, dem drittgrößten Netzanbieter in Deutschland, wollte sich nicht zu dem Thema äußern. Beim Branchenzweiten Vodafone war zunächst kein Kommentar zu erhalten. Der Mobilfunkanbieter O2 Germany arbeitet nicht mit Diensteanbietern wie Mobilcom, Debitel oder Hutchison zusammen.

In Branchenkreisen hieß es, die Situation sei rechtlich komplex. Grundsätzlich könnten die Netzbetreiber von ihren Dienstleisterverträgen zurücktreten, wenn sie durch einen Wechsel des Eigentümers beim Dienstleister Wettbewerbsnachteile befürchteten. Allerdings sei das Vermarktungsgeschäft in Mobilcom-Tochtergesellschaften ausgegliedert, auf die sich ein Eigentümerwechsel in der Mobilcom-Holdinggesellschaft lediglich indirekt auswirke. Dies mache eine juristische Bewertung schwierig.

Verschiedene Szenarien werden durchgespielt

Weiter hieß es in den Kreisen, in der Branche würden mit Blick auf die unsichere Lage bei Mobilcom verschiedene Szenarien mit Hochdruck durchgespielt. Es bestehe beispielsweise die Gefahr, dass die Netzbetreiber keinen Zugang zu den Kundendaten der Mobilfunknutzer bekämen, die Mobilcom für die Netzbetreiber betreue, sofern die Übernahme-Verhandlungen zwischen den Großaktionären Gerhard Schmid und France Telecom scheiterten. Mobilcom müsste dann voraussichtlich auf Grund seiner milliardenschweren Verschuldung Insolvenz anmelden.

Zur Vermarktung von Mobilfunkgeräten und -Verträgen nutzen die drei größten Netzanbieter in Deutschland neben den eigenen Vertriebskanälen auch das Händlernetz so genannter Service Provider. Diese Dienstleister verkaufen die Angebote der Netzanbieter auf eigene Rechnung weiter, beziehen dafür Prämien und betreuen die Kunden eigenständig. Solche Dienstleister haben deutlich zur Markterschließung beigetragen, da sie bis zu einem Viertel der mehr als 57 Millionen deutschen Mobilfunknutzer eigenständig betreuen. Der deutsche Mobilfunkmarkt nähert sich damit der Sättigungsgrenze. Mobilcom zählte zuletzt 4,9 Millionen Mobilfunkkunden und ist damit zweitgrößter Wiederverkäufer nach Debitel.

Weniger Umsatz

Sollten die drei Netzbetreiber ihre Zusammenarbeit mit Mobilcom nach der Übernahme durch France Telecom nicht fortsetzen wollen, müsste Mobilcom auf rund drei Viertel seines Konzernumsatz von zuletzt über 2,5 Mrd. Euro verzichten. Das angestammte Geschäftsfeld Mobilfunk-Vermarktung für die Netzbetreiber will Mobilcom den bisherigen Planungen zufolge durch den Betrieb eines eigenen UMTS-Mobilfunknetzes und dessen Vermarktung ergänzen.

Zudem plant Mobilcom seit Monaten, eigene GSM-Mobilfunkdienste über eine Partnerschaft mit E-Plus anzubieten. Durch diese Ausweitung der Geschäftsbasis würde die Abhängigkeit vom Dienstleister-Geschäft sinken. Zudem stiegen die Gewinnmargen des Unternehmens deutlich, da Mobilcom dann nicht länger rund drei Viertel der Kundenumsätze im Mobilfunk an die Netzbetreiber abführen müsste.(APA)

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