Frauenförderung vom Goodwill der Universitäten abhängig

25. Juni 2002, 07:53
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Geplantes Uni-Gesetz für SPÖ und Grüne frauenfeindlich - ÖVP: Frauenrechte ausreichend abgesichert

Wien - Tendenziell frauenfeindlich ist der Entwurf eines neuen Universitätsgesetzes (UG) für die SPÖ und die Grünen. Im Gesetz wäre die Gleichstellung nur als "sehr nebuloses Ziel" festgehalten, kritisierte die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Madeleine Petrovic, bei einer Pressekonferenz in Wien. Nötig wären aber "harte und verbindliche" rechtliche Regelungen: "Nur das macht Sinn", so Petrovic bei einer Pressekonferenz am Montag. So sei es etwa bezeichnend, dass weder im Senat noch im Uni-Rat Geschlechterquoten vorgesehen seien, betonte die Frauensprecherin der SPÖ, Barbara Prammer.

Leistungsvereinbarungen contra Gender Studies?

Der SPÖ-Politikerin fehlt im Gesetz etwa ein einheitlicher Frauenförderplan, vieles sei in diesem Bereich dem Good Will der Unis überlassen. Die Gesetzgebung und Politik müsse aber zu Gunsten der Frauen "antauchen", meinte Petrovic. Derzeit gelte, "je höher die universitäre Ebene, desto geringer der Frauenanteil".

Wenn nur noch Personen mit Professur Leitungsfunktionen einnehmen könnten, wären die Frauen als Gruppe benachteiligt, meinte Gerhild Meier, Mitglied des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der Medizinischen Fakultäten an der Uni Graz. Derzeit wären nur rund sieben Prozent der Professuren mit Frauen besetzt. Auch wenn im Zuge der Reform die geisteswissenschaftlichen Fächer zu Gunsten der naturwissenschaftlichen Studienrichtungen zurückgedrängt würden, treffe dies vor allem die in der Geisteswissenschaft höher repräsentierten Frauen. Auf diese indirekten Folgen der Reform machte auch Prammer aufmerksam: "Welche Universität wird es sich noch leisten, im Rahmen der Leistungsvereinbarungen feministische Grundstudien einzurichten?"

Im neuen Gesetz sei auch keine verfahrensbegleitende Kontrolle durch die Arbeitskreise mehr vorgesehen, kritisierte Meier. Geplant wäre nur mehr eine Einbeziehung nach dem Abschluss eines Auswahlverfahrens. Außerdem fehle die Festschreibung von technischer und organisatorischer Unterstützung des Gremiums.

UPV für "Qualifikationshierarchie" und gegen Fremdsteuerung

Aus einer anderen Richtung kommt die Kritik des Universitätsprofessorenverbandes (UPV): UPV-Vorsitzender Wolfgang Zach forderte eine "Qualifikationshierarchie" bei der Besetzung von Leitungsfunktionen. Daher müssten die Schlüsselpositionen wie RektorIn, DekanIn und Institutsvorstand von ProfessorInnen besetzt werden, assistierte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Hartmut Schiedermair.

Diese Regelung würde auch einen Anreiz für Habilitierte bilden, sich einem Berufungsverfahren zu stellen, so Zach - natürlich müssten dafür aber die entsprechenden ProfessorInnenstellen zur Verfügung stehen. Grundsätzlich sei in allen Gremien eine "solide" ProfessorInnenmehrheit vorzusehen, forderte Zach. Die in der Regierungsvorlage ermöglichte Schaffung von drittelparitätischen Organen sieht er als "Unfall" an. Die Regierung dürfe gegenüber ihren ursprünglichen Plänen keine Kompromisse machen - wenn man aus dem ganzen Projekt eine Karte wegziehe, stürze die gesamte Reform zusammen. Kein gutes Haar ließen die ProfessorInnen an der derzeitigen "Funktionärsuniversität": "Wir stehen vor einem Scherbenhaufen, den ein basisdemokratisches Experiment hinterlassen hat", kritisierte Bernhard Keppler, Vorstand des Instituts für Anorganische Chemie an der Uni Wien.

Probleme beim derzeitigen Entwurf sah Schiedermair beim Uni-Rat. Hier könne durchaus die Gefahr der Fremdsteuerung der Unis und einer Vermehrung des Staatseinflusses entstehen. Bei der Besetzung des Rats sei den Unis eine entscheidende Mitsprache einzuräumen.

ÖVP: Frauenrechte ausreichend abgesichert

"Haltlos" ist die Kritik von SPÖ und Grünen an der künftigen Frauenförderung an den Universitäten für ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek. Die Rechte der Frauen seien in der Regierungsvorlage zur Uni-Reform ausreichend abgesichert. "Mit dem Universitätsgesetz 2002 werden die bestehenden hohen Standards der Frauenförderung, des Diskriminierungsschutzes und der Gleichstellung von Frauen und Männern selbstverständlich beibehalten und in den leitenden Grundsätzen der Universität verankert", betonte Brinek in einer Aussendung.

Das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz werde künftig für alle Angehörigen der Universität Geltung haben, so die ÖVP-Wissenschaftssprecherin: "Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen kann bei Grund zur Annahme, dass eine Diskriminierung auf Grund des Geschlechts bei Entscheidungen vorliegt, Beschwerde bei der neu einzurichtenden Schiedskommission der jeweiligen Universität mit aufschiebender Wirkung einbringen." Die Entscheidungen dieser zur Hälfte mit weiblichen Mitgliedern besetzten Schiedskommission seien dann bindend. Die Frauenförderungspläne der einzelnen Universitäten blieben außerdem wie bisher an die Vorgaben im Bundes-Gleichbehandlungsgesetz gebunden und würden in den Satzungen der Hochschulen verankert. (APA/red)

Zu einem Ceiberweiber-Bericht von der Pressekonferenz zum Universitätsgesetz

Nachlesen:
Schwerpunkt Universitätsgesetz 2002 auf dieStandard.at
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