Den Haag: Milosevic-Prozess erneut unterbrochen

24. Juni 2002, 13:30
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Jugoslawischer Ex-Präsident noch immer krank - Prozess wird vielleicht am Dienstag fortgesetzt

Belgrad/Den Haag - Der Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic ist vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal am Montag entgegen früherer Ankündigungen nicht fortgesetzt worden. Der Ex-Präsident, der seit dem 12. Februar wegen Verbrechen im Kosovo, Bosnien und Kroatien vor dem Tribunal steht, soll noch immer an den Folgen einer Grippe-Erkrankung leiden, meldeten Belgrader Medien. Der Prozess musste daher am vergangenen Montag bereits zum zweiten Mal unterbrochen werden. Schon im April litt Milosevic an einer Grippe. Gemäß Belgrader Medien soll die erneute Aufnahme des Prozesses am Dienstag stattfinden.

Im Einklang mit einer früheren Tribunalsentscheidung soll die Anklage ihre Beweise gegen Milosevic in der Causa Kosovo bis zum 26. Juli vortragen. Belgrader Medien hatten letzte Woche unter Berufung auf Tribunalskreise allerdings gemeldet, dass die Frist für die Vorlage der Beweise wegen der Erkrankung von Milosevic nun bis Ende September verlängert werden dürfte.

Entscheidung über vorläufige Freilassung der Mitangeklagten

Das UNO-Tribunal wird am Montagnachmittag über die vorläufige Freilassung der Mitangeklagten Milosevics, dem früheren jugoslawischen Generalstabchef Dragoljub Ojdanic und dem früheren jugoslawischen Vizeministerpräsidenten Nikola Sainovic, entscheiden. Beide hatten sich dem Tribunal Ende April, bzw. Anfang Mai freiwillig gestellt.

Belgrad hatte dem UNO-Tribunal entsprechende Sicherheitsgarantien der jugoslawischen und der serbischen Regierung für die zwei Mitangeklagten von Milosevic zugestellt. Im Falle, dass sie freigelassen werden, werden die zwei Regierungen dafür sorgen, dass sie sich dem Tribunal nach Bedarf stellen.

Überstellung des amtierenden serbischen Präsidenten frühestens Ende des Jahres

Der Prozess gegen Sainovic und Ojdanic wird gemäß der Tribunalsentscheidung nicht mit dem bereits laufenden Prozess gegen Milosevic vereint werden, sondern soll getrennt geführt werden, wenn an das UNO-Tribunal auch der aktuelle serbische Präsident Milan Milutinovic überstellt sein wird. Seine Überstellung dürfte allerdings erst nach dem Ablauf der Amtszeit Ende des Jahres erfolgen.

Das UNO-Tribunal hat sich bisher mehrmals für die vorläufige Freilassung der Angeklagten bis zum Prozessbeginn ausgesprochen. In zwei Fällen sind allerdings solche Anträge zurückgewiesen worden.(APA)

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