Koalition in Afghanistan widerspricht El Kaida

24. Juni 2002, 13:29
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US-Oberst: "Wunschdenken, wenn El Kaida sagt, Strukturen seien noch intakt"

Bagram - Die internationale Koalition gegen den Terrorismus hat am Montag Äußerungen eines El-Kaida- Sprechers als Wunschdenken bezeichnet, das Terror-Netzwerk sei auch nach acht Monaten Krieg noch fast völlig intakt. US-Oberst Roger King sagte vor Journalisten in Bagram nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul, die Kampfkraft der Islamisten vielmehr stark beeinträchtigt worden. Sie seien zu wirkungsvollen Einsätzen nicht mehr im Stande. "Wir haben den Eindruck, dass das ein direktes Ergebnis unserer Maßnahmen ist, und ich bin der Ansicht, dass es ihrerseits Wunschdenken ist, wenn jemand von El Kaida behauptet, ihre Strukturen seien zu 98 Prozent intakt."

Koalitionsprecher King reagierte auf Tonband-Äußerungen, die der arabische Sender "El Jazeera" dem Kaida-Sprecher Sulaiman bu Ghaith zuspricht und am Sonntag ausstrahlte. Die USA machen die El Kaida und deren Chef Osama bin Laden für die Anschläge des 11. September verantwortlich, bei denen rund 3.000 Menschen starben. Bin Laden operierte von Afghanistan aus, wo ihm die Taliban und ihr geistliches Oberhaupt Mullah Mohammad Omar Gastrecht gewährt hatte. Von Bin Laden wie Omar fehlt jede Spur.

Auf dem Tonband sagt Ghaith, die Organisation habe den Anschlag auf die Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba im April dieses Jahres verübt. Er kündigte zudem neue Anschläge auf US-Ziele an. Bin Laden selbst sei gesund und werde sich schon bald in einem Interview äußern. Es blieb unklar, wann und wo die Aufzeichnung gemacht worden war. Bei dem Anschlag in Tunesien starben 21 Menschen, darunter 14 Deutsche, als ein mit Gas beladener Lieferwagen vor einer Synagoge explodierte. Ghaith tritt seit den Anschlägen des 11. September als Sprecher der Kaida auf.

Nach Angaben aus Kandahar läuft gegenwärtig eine groß angelegte Suche nach Bin Laden und Omar in den Bergen der südafghanischen Region. Der stellvertretende Gouverneur Mohammad Schoaib erklärte, in der Nacht seien 25 mutmaßliche Taliban festgenommen worden. Sie würden jetzt intensiv verhört. Kolaitionssprecher King wies diese Angaben jedoch zurück.

Auf in Afghanistan stationierte US-Soldaten ist am Wochenende eine Rakete abgefeuert worden, wie ein Armeesprecher am Montag mitteilte. Verletzt wurde niemand, auch die Urheber des Anschlags wurden trotz einer sofort eingeleiteten Suche nicht gefunden. Der Zwischenfall in der Nähe der südostafghanischen Stadt Khost ereignete sich kurz nachdem britische Soldaten ein großes Waffenlager in dem Gebiet entdeckt und acht Bewaffnete festgenommen hatten. (APA/Reuters/AP)

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