Banken wollen bis Donnerstag über Kredit entscheiden

24. Juni 2002, 13:23
1 Posting

Insolvenzfonds soll Gehälter für drei Monate vorfinanzieren

Wien - Bis kommenden Donnerstag wollen die Gläubigerbanken über einen weiteren Kredit für die in Konkurs befindliche Buch- und Medienhandelskette Libro entscheiden. Um das Schulgeschäft im kommenden Herbst zu sichern und Libro bis Oktober am Leben zu lassen, sind rund 11 Mill. Euro notwendig. Als Gegenleistung soll Masseverwalter Günther Viehböck auf Anfechtungen für im Ausgleich zurückgezahlte Kredite verzichten. Konkret geht es dabei um die im vergangenen Februar zurückgezahlten 19 Mill. Euro für einen Überbrückungskredit zur Finanzierung des damaligen Weihnachtsgeschäfts.

Über den notwendigen Fortführungskredit wurde am vergangenen Freitag mit den beiden im Gläubigerausschuss vertretenen Banken RZB und Bank Austria verhandelt. Im Laufe dieser Woche muss darüber erst mit den übrigen Konsortialbanken (Erste Bank, Bawag, Deutsche Bank, Oberbank, ÖVAG) gesprochen werden. Die Gläubigerbanken haben Einstimmigkeit vereinbart, und müssen unisono dem Fortführungskredit zustimmen. Ohne Bankenhilfe müsste der Masseverwalter jedenfalls kurzfristig die Schließung der Filialen beantragen.

Lieferanten sollen wieder Kredit gewähren

Von den Lieferanten, die zuletzt nur mehr cash geliefert haben, erwartet man, dass sie Libro wieder Kredit gewähren. Der Insolvenzfonds, der offene Löhne und Gehälter bis Konkurseröffnung übernimmt, soll auch die Gehaltszahlungen für die kommenden drei Monate vorfinanzieren. Ob eine Fortführung aber wirklich möglich sei, werde schlussendlich erst der Markt zeigen, so ein Beobachter. Wenn die Kunden ausbleiben, werde es sehr schwierig.

Der Gläubigerausschuss will am kommenden Montag wieder zusammentreten. Bis dahin müsste dem Masseverwalter bereits eine Liste von Libro-Interessenten vorliegen. Wie berichtet müssen Libro-Interessenten bis kommenden Donnerstag, dem 27 Juni, schriftlich mitteilen, ob sie planen bis spätestens 19. Juli d. J. ein verbindliches Angebot zu legen. An Amadeus dürfte nach wie vor der 40-Prozent-Eigentümer des Oberösterreichischen Landesverlages, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, interessiert sein.

30 Filialen vor Schließung

Offen ist derzeit noch mit wieviel der insgesamt 246 Libro-Filialen und 22 Amadeus-Standorten der Masseverwalter das Unternehmen weiterführen wird. Im Gespräch sei derzeit die Schließung von 30 unrentablen Filialen, heißt es aus dem Umfeld. (APA)

Share if you care.