Sepp Porta rät zu Urlaubsplanung gegen Urlaubsstress

24. Juni 2002, 12:46
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Urlaubszeit ist oft auch eine stressreiche Zeit. Vom Büro direkt ins Flugzeug zu hetzen, kann auch gesundheitliche und psychische Gefahren mit sich bringen. Der Leiter des Instituts für Pathophysiologie der Universität Graz, des Instituts für Angewandte Stressforschung in Bad Radkersburg und Buchautor ("Gib den Stresshormonen was sie brauchen", Kreuz Verlag) Dr. Sepp Porta rät im Gespräch mit mymed.cc, wie man den Urlaub stressfrei beginnt, ihn bestmöglich nützt und die Erholung auch noch in den Alltag nachwirken kann.

Das Interview führte Doris Simhofer

Mymed: Wie viel Urlaub, wie viel Freizeit braucht der gesunde Körper, um sich von den Belastungen des durchschnittlichen Arbeitsalltags zu regenerieren?

Prof. Porta: Das ist verschieden. Wird eine totale Erholung angestrebt, sodass sich die Produktionsrate der Stresshormone wieder senken kann, ist eine längere Erholungsphase nötig. Will man sich nur kurzfristig von Erschöpfung erholen, sodass die Enzyme im Körper noch aktiv vorliegen, genügen ein paar Tage.

Mymed: Gelten diese Richtlinien auch für Kinder?

Prof. Porta: Auf jeden Fall. In Studien konnten wir die Stresssensibilität von Kindern nachweisen. Die stressbedingten körperlichen Anforderungen im Zuge von Schularbeiten sind dabei mit den physischen Folgen eines 800-Meter-Laufes vergleichbar.

Mymed: Ist es besser vier Wochen durchgehend Urlaub zu machen oder mehrmals im Jahr kürzere "Alltagsfluchten" einzubauen?

Prof. Porta: Es ist günstig, einige kürzere Urlaube einzulegen, um die Folgen einer chronischen Belastung abzulegen, in der Folge sollte aber auch ein längerer Urlaub geplant werden.

Mymed: Wie soll der Übergang vom Alltag in den Urlaub aussehen?

Prof. Porta: Günstig ist es, sich entsprechend vorher bereits mental auf den Urlaub einzustimmen. So etwa mit der Lektüre von Reiseführern, Büchern über das Land und die Menschen. Das bringt nicht nur einen Informationsvorsprung mit sich, sondern ist auch eine gute mentale Vorbereitung. Auch Bewegung ist - generell bei chronischem Stress, der auch einen Anstieg der Blutzuckerwerte mit sich bringt - ein probates Gegenmittel.

Mymed: Wie reagiert der Körper auf ein plötzlich eintretendes Erholungsangebot, wenn ihm die Stressantwort plötzlich - für die Dauer des Urlaubs - nicht mehr abverlangt wird?

Prof. Porta: Der Körper reagiert stark im Sinne des RAS-Systems, das heißt er reagiert auf alle Volumsveränderungen, auf Zeitverschiebung, auf andere Umgebung, Gerüche und Temperaturen. Im Körper lösen diese Veränderungen Aktivitäten von Katecholaminen und Cortisol aus. Günstig ist es, jeglichen Stress als positiven Stress zu sehen. Im Urlaub ist es durchaus legitim, Regeln zu durchbrechen und sich einfach fallen zu lassen.

Mymed: Birgt ein zu abrupter Wechsel von Business und Freizeit auch Krankheitsgefahren?

Prof. Porta: Das Weekend-Syndrom ist eine typische Erscheinung. Solange der Stresshormonspiegel hoch ist, ist auch das Immunsystem stark. Dieser Zustand kann jedoch nur mittelfristig erhalten werden. Sinkt der Stresshormonspiegel im Zuge der Erholungsphase ab, ist auch das Immunsystem instabiler, es kann zu Erkrankungen, wie Erkältungen oder Infektionen am Urlaubsort kommen.

Mymed: Wie erhält man die Entspannung, die man im Urlaub erfahren hat, auch im Alltag?

Prof. Porta: Günstig ist es, im Urlaub Rituale einzubauen. Seien es regelmäßige Mahlzeiten oder sportliche Aktivitäten, denn Planung ist der Feind von Stress. Diese Rituale sollte man so lange wie möglich auch im Alltag beibehalten; so kann die Erholung nachhaltig wirken.

Mymed: Herr Professor, wir danken für das Gespräch.



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