Prozess mit Beschuldigten- befragung fortgesetzt

24. Juni 2002, 14:00
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Betriebsleiter: Notbremse und Türöffnung von innen behördlich verboten

Salzburg - Eine Notbremse - wie sie in Eisenbahnwaggons üblich ist - sowie eine damit verbundene Möglichkeit, die Türen von innen zu öffnen, hätten bei der Kapruner Stollenbahn eine Gefährdung der Fahrgäste dargestellt, erläuterte der verantwortliche Betriebsleiter am Montag bei der Fortführung des Strafprozesses in der Causa Kaprun-Katastrophe im Salzburger Kolpinghaus. "Nothämmer durften ebenfalls aus Sicherheitsgründen nicht vorhanden sein", so der 41-Jährige bei seiner Befragung durch die Staatsanwältin. Dieses Konzept werde auch heute noch "in gleicher Weise" von der Behörde vorgegeben.

Gefahren

Könnten die Passagiere die Türen bei einem Stopp von innen selbst öffnen, so bestehe auf der Freistrecke vor dem Tunnel Absturzgefahr über die bis zu 30 Meter hohe Brücke. Im Tunnelinneren wiederum könnte ein Fahrgast - wenn er auf der falschen Seite aussteigt - unter den Zug geraten, schilderte der Beschuldigte bei seiner Einvernahme. Bergeübungen seien jeweils in der Bergstation - allerdings mit nicht voll besetzten Zügen - durchgeführt worden. "Der Ablauf ist aber der gleiche, egal wie viele Leute im Wagen sind", so der 41-Jährige. Zudem sei es "kein Problem, den Zug zu verlassen und die Stiege hinauf beziehungsweise hinunter zu steigen". Die Abteile würden hintereinander geräumt, jeder Passagier bekäme einen Leuchtstab, so dass es zu keiner Panik kommen könnte. "Hier sind unsere Mitarbeiter entsprechend geschult", betonte der Betriebsleiter.

Betriebsleiter hat nichts Auffälliges bemerkt

"Schmierige Anhaftungen oder Ölaustritte" an den Holzverbauten des Heizkörpers habe er nicht bemerkt, stellte der Betriebsleiter fest. Auch davon, dass möglicherweise das Rauchverbot in den Fahrerständen der Bahn nicht eingehalten worden sei, habe er erst "im Nachhinein durch ein Foto" erfahren. Für Wartung und Instandhaltung der Bahn sowie ihrer elektrotechnischen Einrichtungen seien die Gletscherbahnen Kaprun selbst zuständig gewesen, die Verantwortung dafür liege bei ihm, so der Beschuldigte.

Auf dem erwähnten Foto seien Zigarettenstummel im Mistkübel des Führerstandes zu sehen. Er selbst habe jedoch nie jemanden wahr genommen, der geraucht habe, betonte der Beschuldigte. Bei den Vorerhebungen hatte ein ehemaliger Mitarbeiter der Gletscherbahnen - er war von 1991 bis 1997 Wagenfahrer - angegeben, von derartigen Vorfällen gewusst zu haben.

Sicherheit großgeschrieben

Das Thema Sicherheit sei bei den Kapruner Gletscherbahnen groß geschrieben worden. Er habe keine Bedenken gehabt, wenn seine Familie, Freunde oder er selbst die Bahn benützten, beteuerte der Betriebsleiter. Sein zehnjähriger Sohn sei noch zwei Fahrten vor dem Unglück mit der Stollenbahn auf den Gletscher gefahren. "Ich hätte nie im Traum daran gedacht", so der Beschuldigte zur Brandkatastrophe vom 11. November 2000, bei der 155 Menschen starben. (APA)

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