San Gimignano: Der Bau von Geschlechtertürmen - vielfältig und überraschend

11. Juli 2005, 15:20
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Der Spieleabend ist ausgerufen worden, um Geschlechtertürme zu bauen. Um es den Adeligen des Mittelalters gleichzutun, wurde das Spiel „San Gimignano“ geschaffen – soweit die Geschichte. Mit 2 bis 4 SpielerInnen (ab dem Alter von 8 Jahren) kann es starten. Vorneweg – denn auf dem Weg zum Testende liegen doch einige Überraschungen – gleich das Testergebnis: Ein strategisches Spiel, einfach, von nicht langer Spieldauer, „ganz nett“ und „ja, witzig“.

Schon beim Auspacken des Spieles ergibt sich die erste Überraschung: Will es zum Duschen animieren? Denn die Türme sind wider Erwarten nicht aus Holz, sondern aus – bis dato für uns – unbekanntem Ankerstein. Berühmt ist er aber doch, ergibt eine Recherche. Schwer, schön und aus natürlichen Zutaten (Quarzsand, Kreide und Leinöl). Letzteres dürfte auch dafür die Verantwortung haben, dass sich sofort ein seltsamer Geruch am Spielort und auf den Fingern verbreitete. Gewöhnungsbedürftig, aber doch einmal ein Spielerlebnis anderer Art. So animieren die Steine nicht nur zu Aussagen der Art „Wo sind die Küchenhandschuhe?“, die die Spielrunde erheitern, sondern auch sofort zum Bauen. Bizarre Konstruktionen entstehen am Tisch, die eigenen Namen werden mit den Türmen geschrieben. So schnell erhalten sie ein wirkliches Geschlecht.

Die zweite Überraschung ist eine einfache, gut verständliche und kurze Spielanleitung. Die Spielregeln sind sofort klar und schon kann es los gehen, sich den Einfluss in den vier verschiedenen Zünften zu sichern, um dann einen Turm aufzubauen (10 sind das Ziel). Die Strategie ist schnell durchschaut (eigene Türme bauen, den anderen den Bau vermiesen) – so haben wir geglaubt. Phasenweise gleicht das Spiel dann jedoch ein bisschen einem Schachspiel (Züge vorausplanen und die der MitspielerInnen einplanen, um reagieren zu können) und fördert längere Denkpausen zutage. Kleine Unklarheiten im Ablauf können leider nicht geklärt werden (ein FAQ fehlt in der Anleitung).

Im Laufe des Spieles folgt die dritte und letzte Überraschung: Wer zuwenig denkt und plant, kann sich (auf dem doch recht kleinen Spielfeld) mit einem falschen Zug jegliche Chance auf einen Sieg verbauen ... oder wie es eine Spielerin ausdrückt: „Die Strategie ist schnell durchschaubar – bis mensch sich einen Nagel ins Bein haut und übers Spielfeld humpelt.“ Also eindeutig ein Spiel für Menschen, die es lieben, strategisch zu denken und planen – dann ist es sehr empfehlenswert. Eine Frage bleibt für uns am Schluss noch offen: Sind 8-Jährige wirklich daran interessiert Geschlechtertürme zu bauen?
(dy)

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