Nicht nur in Nachbars Garten...

28. Juni 2002, 12:33
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Hitzewelle. Die Luft flirrt. Es herrscht Ausnahmezustand in der Stadt. Auch durch noch so ausgefallene Techniken ist der eigenen Klebrigkeit schwer beizukommen.

Untertags bedenkt man das scheinbar immer im Zenith stehende Zentralgestirn mit Flüchen und lernt die Segnungen eines klimatisierten Büros, der begrünten Terrasse oder des schattigen Innenhofes erst so richtig zu schätzen. Durch erhöhte Zimmer- und Körpertemperatur reduziert sich die mittägliche Nahrungsaufnahme bestenfalls auf hömöopatische Dosen. Somit wäre das Idealgewicht auf natürlichem Wege leicht zu erreichen, wären da nicht die vielen verlockenden Möglichkeiten sich des Nächtens nicht nur in der Gastronomie die Bäuche vollzuschlagen.

Was spricht eigentlich dagegen sich in den wirklich bestens gepflegten Parks der Stadt niederzulassen und sich an Mitgebrachtem gütlich zu tun? Nichts, außer dass Sie sich um den Transport der Leckereien wiedereinmal selber kümmern müssen. Kühltaschen oder die vielerorts angebotenen englischen Picknicksets müssen nicht sein, außer es gibt ein wirklich vielversprechendes Téte a téte und Erdbeeren mit Champagner sind einfach unverzichtbar. Hier geht es aber um die Idee des allabendlichen Essens unter freiem Himmel an mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbaren Orten. Und Wien hat da Einige zu bieten: Angefangen von den weitläufigen Praterwiesen, den Strände rund um die Alte Donau - mit dem schönen Wasserpark, bis hin zu den innerstädtischen Flächen wie Volks-, Au-, und Burggarten. Eine brauchbare Decke bildet die solide Grundlage, um sich auf dem nicht nur durch Menschen benutzten Grün gefahrlos niederlassen zu können. Die Mitnahme von Besteck und Gläsern ist dem Anlass entsprechend manchmal notwendig. Schließlich findet das Gelage ja meist in historischen Gartenanlagen statt.

Das Schöne an Picknicks an diesen wunderbar gepflegten Orten ist die allegorische Gruppen bildende Ungezwungenheit der Akteure, und natürlich die Buntheit der zusammengetragenen Speisen und Getränke. Ohne sich an irgendeine Regel halten zu müssen werden all die mitgebrachten Köstlichkeiten genießend verzehrt. Und nicht nur das Ausgefallene bereitet Genuß, denn auch eine schlichter Wurstsalat kann, unter einem ausladenden Baum in der Abenddämmerung genossen, zu einem unvergesslichen Geschmackserlebnis werden.

Von Stefan Katschthaler
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