Aubergine, Terrine, Schiene

24. Juni 2002, 11:27
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SPEISEWAGEN: Sie sind eine Kategorie für sich - eine Art demokratischer Luxus, Erlebnis-
gastronomie der rollenden Art, zwischen nostalgischem Schmunzelmonster und kulinarischer Verfehlung angesiedelt.

Bei aller Rationalität der verhältnismäßig raschen Verbindung von Stadt zu Stadt ist Bahnfahren dennoch immer ein bisschen irrational. Weil nämlich so individuell erlebt, weil so subjektiv, weil Züge auf der ganzen Welt so viel unterschiedlicher sind als etwa Flugzeuge oder Autobusse, weil die Fahrt mit dem Zug immer ein wesentlicher Bestandteil der ganzen Reise ist, nicht reduziert auf den bloßen Transport, sondern touristischer Mehrwert.

Und Speisewagen sind die Krönung der eisenbahnerischen Schöpfung, sie ermöglichen erste Klasse auch für jene, die zweite Klasse reisen, sie suggerieren eine Art sentimentalen Reise-Luxus einer Zeit, als Wegfahren noch ein Abenteuer war. Außerdem kann der Speisewagen das, was Flugzeug und Bus nie können, und das Kreuzfahrtschiff auch nur in bedingtem Maße, nämlich gleichzeitig sowohl ein Restaurant als auch ein Fortbewegungsmittel mit hurtig vorbeiziehender Landschaft zu sein (die ist beim Schiff nämlich meistens eher eintönig).

Abgesehen davon ist der Speisewagen auch ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art: Im Speisewagen isst man Sachen, die sonst eher nicht so sehr zur Erheiterung des Gaumens beitragen. Frankfurter mit Tubensenf im Speisewagen - aber natürlich! Gulaschsuppe mit altbackenem Semmerl - her damit! Szegediner Krautfleisch - ein Gedicht, mmmh!

Speisewagen in Österreich waren nicht immer ein besonders glorreiches Kapitel in der Geschichte der ÖBB, in den letzten zehn Jahren versuchten sich nicht weniger als drei Anbieter an dieser Aufgabe, Wagons lits, Trainristo, kurz gab sogar Do & Co ein rollendes Gastspiel. Seit vorigen Herbst werden die österreichischen Speisewagen von "è express" versorgt, einer Tochterfirma von "è tricaffè", die wiederum als Gastronomie-Department der italienischen "è-group" von Reinhard Reitermayer geführt wird.

Neben den knapp 40 österreichischen Speisewagen bieten auch zehn ausländische Unternehmen feste und flüssige Nahrung auf österreichischen Schienen an.

Die Kriterien:

Bewertet wurden Anmutung und Sauberkeit des Speisewagens, Qualität des Service, Originalität und Umfang des Angebotes von Speisen und Getränken sowie deren Ausführung, benotet wurde nach Schulnotensystem, und auch ein Prädikat durfte vergeben werden.

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Von Florian Holzer

Die Pasta zwischen Wien und Klagenfurt wurde von Gudrun Harrer bewertet.

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.
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