Burma: Heftige Kämpfe zwischen Armee und Rebellen

24. Juni 2002, 10:25
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SURA-Kämpfer auf thailändisches Gebiet geflüchtet

Rangun - In Burma (Myanmar) haben Regierungstruppen und Rebellen des Shan-Volkes einander nahe der thailändischen Grenze heftige Gefechte geliefert. Ein Sprecher des burmesischen Verteidigungsministeriums, Oberstleutnant San Pwint, erklärte am Montag in der Hauptstadt Rangun, bei den Kampfhandlungen seien etwa 100 Rebellen und 50 Soldaten getötet worden. Während der Kämpfe hätten die Regierungstruppen vier Stützpunkte zurückerobert, die Rebellen der separatistischen Organisation SURA ("Shan State United Revolutionary Army") seien über die Grenze nach Thailand geflüchtet.

Nach Angaben von Oberstleutnant San Pwint haben die Regierungssoldaten zahlreiche Waffen und mehr als 10.000 Schuss Munition beschlagnahmt. Entlang der Grenze zu Nordthailand gingen die Kämpfe weiter. Die Rebellen der SURA kämpfen für die Unabhängigkeit der zur Burmesischen Union gehörenden Shan-Staaten; ihre Überfälle sorgten für Spannungen zwischen Burma und Thailand. Das Militärregime von General Than Shwe in Rangun warf dem Nachbarland vor, die Rebellen mit Waffen zu versorgen. Bangkok wies die Vorwürfe zurück. Burma hat zahlreiche Grenzübergänge nach Thailand geschlossen und thailändische Arbeiter ausgewiesen.

"Goldenes Dreieck"

Im Vorjahr war es im so genannten "Goldenen Dreieck" von Burma, Thailand und Laos, in dem rund 70 Prozent des Rohopiums für die weltweite Heroinproduktion geerntet werden, zu einem bewaffneten Konflikt gekommen. Auf thailändischem Territorium halten sich etwa 120.000 Flüchtlinge aus Burma auf. Im Jänner 2001 hatten die thailändischen Behörden den Anführern der so genannten "Gottesarmee" der Karen-Rebellen, den halbwüchsigen Zwillingen Johnny und Luther Htoo, Asyl gewährt. Die "Gottesarmee" ist eine Abspaltung der Separatistenarmee "Karen National Union" (KNU) des Generals Bo Mya. Die KNU kämpft seit 1948 für einen unabhängigen Staat des mehrheitlich christlichen Karen-Volkes. Bei mehreren Großoffensiven hatte die burmesische Armee in den vergangenen Jahren Hunderte von Karen-Dörfern niedergebrannt und rund 100.000 Menschen zwangsumgesiedelt.

Vom "Goldenen Dreieck" werden große Rauschgiftmengen über die chinesische Provinz Yunnan nach Hongkong und Macao und von dort weiter nach Europa und in die USA geschleust. Die Ranguner Junta ist nach Darstellung westlicher Kritiker tief in den internationalen Drogenhandel verstrickt. Die US-Regierung hat das burmesische Militärregime als einen der Hauptverantwortlichen für das weltweite Drogenproblem angeprangert. Der berühmteste Drogenkriminelle, der Opium- und Heroinkönig des "Goldenen Dreiecks", Khun Sa, lebt unter dem Schutz der burmesischen Herrscher seit 1996 gut abgeschirmt in einer Prachtvilla in Rangun. Das Regime weigert sich, den gebürtigen Chinesen, der eigentlich Zhang Jifu heißt, an die USA auszuliefern. Der Ex-Warlord hatte sich früher als Befreier des Shan-Volkes ausgegeben, seine Privatmiliz "Mong Tay Army" hat 1996 den Kampf gegen die burmesischen Regierungstruppen eingestellt. (APA/AP)

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    Guerrilleros patroullieren am Moei-Fluss, an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar (Burma).

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