Feuersprung, deutsches Liedgut und deftige Reden

24. Juni 2002, 10:21
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Österreichs Rechte hat unter Pfui-Rufen für die Wehrmachtsausstellung Sonnwend' gefeiert

Wien - Wenn Österreichs Burschenschafter (fast) unbeobachtet feiern, kommen sie schnell zur Sache: Da wird unter "Pfui"-Rufen gegen die Wehrmachtsausstellung gewettert, oder es werden die Feinde an der "amerikanischen Ostküste" beschimpft. Am Wochenende hat die Wiener Burschenschaft Olympia zur alljährlichen Sonnwendfeier auf den Wiener Hausberg Kobenzl geladen - rund 150 Gäste waren gekommen.

Zwar blieb mit dem Historiker Lothar Höbelt der Stargast aus, seine Vertretung, der deutsche Burschenschafter Günther Schmidt, polterte dafür umso mehr in seiner so genannten "Feuerrede": Die Feinde, "vor allem jene, die an der amerikanischen Ostküste mit Feder und Mikrofon gewirkt haben und noch immer wirken", seien "zutiefst erschrocken über die ungeheure Kraftentfaltung, zu der unser Volk in zwei Weltkriegen fähig war", sagte Schmidt. Als Folge habe man versucht, "diesem Volk das geistige und seelische Rückgrat zu brechen durch das, was sie anmaßend ,Umerziehung' nannten". Mit der Wehrmachtsausstellung werde versucht, "die Toten unseres Volkes im Nachhinein um den Sinn ihrer Opfer zu betrügen". Für den deutschen Burschenschafter hat das "Gift der Zersetzung" aber durchaus "Erfolg gehabt".

Der Applaus war ihm sicher. Unter den Gästen: der Wiener FP-Stadtrat Johann Herzog.

Auch andernorts feierten Freiheitliche diesen "alten deutschen Bauernbrauch", wie es in der Einladung der Olympen heißt. FP-Landtagsklubchefin Barbara Rosenkranz hatte am Freitag ins niederösterreichische Seebarn geladen. Mit dabei Gatte Jakob, Herausgeber der rechtsextremen Zeitschrift Fakten und ehemaliges Mitglied der wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz aufgelassenen NDP.

Als Feuerredner dort angekündigt: Volksanwalt Ewald Stadler. (Peter Mayr/DER STANDARD, Printausgabe, 24. Juni 2002)

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